limnologisches
Einer
meiner liebsten Tätigkeiten in der Natur ist die biologische Wassergütebestimmung
von Bächen und Teichen oder ich nehme einfach einen Tropfen aus einer Regenpfütze
die länger als drei Tage steht und sehe ihn mir unter dem Mikroskop an. Das könnte
ich stundenlang machen, den solch ein Tropfen verbirgt soviel Interessantes.
Hier will ich einiges darüber erzählen
Es gibt 2 Arten Gewässergütebestimmung.
Die chemische Gütebestimmung
Mit der chemische Methode kann man den Zustand des
Gewässers nur zum Zeitpunkt der Probenentnahme feststellen, also nicht den
langfristigen Zustand des Gewässers. (Werden z.B. zu diesen Zeitpunkt gerade
Abwässer eingeleitet, so kann das zu einer völlig falschen Beurteilung der Gewässergüte
führen.)
Hier gilt es den pH-Wert, Ammonium, Ammoniak, Nitrit, Nitrat und den
Sauerstoffgehalt eines Gewässers zu bestimmen. Ich will hier aber nur kurz auf
diese Methode eingehen, den dazu braucht man Testreagenzien und die sind
ziemlich teuer und sie halten nicht länger als 2 Jahre. Es gibt aber in Oberösterreich
eine Möglichkeit so etwas auszuleihen. Bei der Oberösterreichischen Akademie für
Umwelt und Natur gibt es einen Ökokoffer der dieses Kompaktlabor beinhaltet.
Was sagen die Werte aus:
Ammonium entstehen bei Fäulnisprozessen und gilt als typischer
Verschmutzungsanzeiger. Deutliche Belastung ab 0,5 ppm. Bei einem pH-Wert von
mehr als 8 wird dieses Ammonium zum giftigen Ammoniak. (Fischsterben!!)
Der pH-Wert misst die Anzahl der vorhandenen Säureionen. Je mehr Säure, umso
kleiner ist der pH-Wert. Er ist ein Maß für Gärungsvorgänge im Wasser. Der
normale pH-Wert liegt im Kalkalpenbereich bei 8,0-8,5 und im Kristallin bei
6,5-7,5
Der Phosphatgehalt ist ein guter Indikator für Überdüngungserscheinungen zum
Beispiel durch Jauche, lecke Senkgruben oder Waschmittel (Autowäsche bei einem
Bach). Die Nachweisgrenze liegt bei 0,01 mg/l und bei einen Wert von 1mg/l liegt
der Verdacht auf eine starke Verunreinigung nahe.
Nitrate entsehen durch Oxidation von Ammonium bzw. Nitriten sind vor allem ein
Zeichen für Auslaugung reichlich gedüngter Böden. Anreicherung daher häufig
im Grundwasser.
Grenzwert für Trinkwasser liegt der Richtwert bei 25mg/l und der Grenzwert bei
50mg/l.
Nitrite entstehen bei Sauerstoffmangel durch vollständige Oxidation aus
Ammonium oder durch Reduktion von Nitraten und zeigen stets starke
Abwasserbelastung an. Nachweisgrenze 0,005mg/l, hohe Belastung ab 0,1mg/l.
Beim Sauerstoff wird das Verhältnis des vorhandenen zum möglichen
Sauerstoffgehalt gemessen. Sauerstoffgehalt des Wassers ist gleich Sauerstoffsättigung.
Die Differenz zu 100 Prozent heißt Sauerstoffdefizit. Der Sauerstoffgehalt hängt
auch von der Temperatur des Wassers ab. Je wärmer das Wasser desto weiniger
Sauerstoff enthält es. Es ist auch noch von den Wasserpflanzen abhängig. Den
wenn man in einem pflanzenreichen Teich den Sauerstoffgehalt an einem schönen
Tag misst, gibt es oft Werte wie bei einem Bach. Misst man aber in der Nacht so
fällt der Sauerstoffgehalt rapide ab. Durch die Photosynthese der Pflanzen wird
biologischer Sauerstoff erzeugt, da es ohne Sonne ja keine Photosynthese gibt
,beschreibt dieser Wert den eigentlichen Zustand des Gewässers.
Güteklasse 1 95-100 %, Gütekl. 2 70-85 %, Gütekl. 3 25-50 % , Gütekl. 4
kleiner als 10%.
Die biologische Gütebestimmung.
Viele Lebewesen können in Gewässer ganz unterschiedlicher Qualität gedeihen,
andere wieder sind eng an spezielle Umweltverhältnisse gebunden. Nur die
letzteren eignen sich als Zeigerorganismen sogenannte Bioindikatoren. Für die
biologische Wasseranalyse insbesondere von Fließgewässern wurde das
Saprobiensystem entwickelt. Saprobien sind Lebewesen, die in faulenden Stoffen
leben bzw. in Gewässern, die fäulnisfähige, also organische Stoffe enthalten.
Sie erlaubt es, die Belastung eines Gewässers mit organischen Stoffen und damit
indirekt seinen Sauerstoffhaushalt ohne chemische Analyse anhand der vorhandenen
Organismenarten und ihrer Häufigkeit festzustellen. Sie stützt sich dabei auf
eine gewisse Zahl von Leitorganismen und deren Populationsgröße bzw. auf das
Vorkommen bestimmter Lebensgemeinschaften. Grundlage dieses Verfahren ist, dass
jede Art auf einen ganz bestimmten Zustand ihres Wohngewässers angewiesen ist.
Der große Vorteil der biologischen Wasseranalyse nach dem Saprobiensystem
beruht auf der Tatsache, dass man mit dieser Methode den mittel - bis
langfristigen Zustand eines Gewässers feststellen kann.
Was braucht man zur einfachen Bestimmung ?
Material: Petrischalen( kleines Gefäß aus Glas ,darin werden die Proben
mit dem Binokular begutachtet) Lupe bzw. Binokular, Pinzette, Pinsel mittelgroßes
Gefäß aus Plastik.
Bestimmungsbücher( z.B. Was lebt im Tümpel, Bach und Weiher? (Wolfgang
Engelhardt /im Kosmos Verlag ISBN 3-440-06638-x)
Es gibt auch Online einen Bestimmungsschlüssel für Wirbellose
des Süßwassers wo man auch den Gütefaktor ermitteln kann den man zum
Bestimmen braucht.
Hier ist
Wie geht man vor?
Man nehme das Gefäß aus Plastik ,es sollte so groß sein das man ohne
Behinderung die Steine in diesen Behälter mit dem Pinsel abbürsten kann.
Im Bach findet man die meisten Köcherfliegenlarven, Strudelwürmer und anderes
Getier hauptsächlich an Steinen. Hier gilt es vor allem die Steine an ihrer
Unterseite abzusuchen. Nach der Untersuchung sind sie wieder an ihre alte Stelle
zu setzen. Aber man macht auch an im Wasser liegende Blätter , Holzstücke und
Wasserpflanzenbüschel reiche Beute.
Dann bestimmt man die Tiere die im Gefäß sind mit dem Binokular oder mit einer
Lupe und trägt ihre Anzahl (zum B. 10 Stk. Teich und Flussnapfschnecken) in
eine Tabelle (siehe Tab.1 unten) ein.
Dann wird die Häufigkeit eingetragen. Hierbei wird bei 1-2 gefundenen Tieren
die Zahl 1 eingetragen, bei 3-10 T. die 2; bei 11-30 die 3; bei 31-60 die 4; bei
61-100 die 5; bei 101-150 die 6; und bei mehr als 150 Tieren die Zahl 7.
Den Faktor ermittelt man zum Beispiel mit den Online - Bestimmungsschlüssel
dessen Adresse ich ja weiter oben aufgeschrieben habe. Wenn man das Tier
bestimmt hat steht unter dem Tier ein Gütefaktor (z.B.: bei Rolleegel Gf. 3,0)
Nun wird aus jeder Zeile das Produkt aus Häufigkeit und Faktor
berechnet und gib es unter = an.
(z. B.: wenn wir beim Rollegel bleiben ; Es waren 35 Rollegel im Gefäß,
das gibt eine Häufigkeit von 4 diese Zahl multipliziert man dann mit dem
Faktor, dieser ist beim Rollegel 2,8 also 4 x 2,8 = 11,2
trägt man in die Spalte unter dem = Zeichen
ein.)
Addiert man dann die Spalte Häufigkeit und =
; vertauscht auf der untersten Zeile die Endergebnisse und dividiert sie bis auf
eine Dezimalstele genau, ergibt das mit einiger Genauigkeit die Wassergüteklasse.
Noch ein Beispiel: Summe der Häufigkeit ist 35 und Summe des =
ist 67,3; die zwei werden vertauscht so wird 67,3 durch 35 dividiert und
das ergibt 1,92 WGKI ( Gewässergüteklasse)
|
|
Anzahl |
Häufigkeit |
Faktor |
= |
|
1. Teich und Flussnapfschnecke |
100 |
6 |
2,0 |
12,0 |
|
2. Tellerschnecke |
|
|
1,5 |
|
|
3. Spitzschlammschnecke |
|
|
1,3 |
|
|
4. Schlammschnecke |
30 |
4 |
2,3 |
9,2 |
|
5. Kugelmuschel |
|
|
2,9 |
|
|
6. Dreieckmuschel |
|
|
1,8 |
|
|
7. Roter Schlammröhrenwurm |
|
|
3,9 |
|
|
8. Wenigborster |
|
|
2,0 |
|
|
9. Graue Strudelwürmer |
12 |
3 |
1.3 |
3,9 |
|
10. Weißer Strudelwurm |
|
|
2,0 |
|
|
11. Großer Schneckenegel |
|
|
1,8 |
|
|
12. Rollegel |
35
|
4
|
2,8 |
11,2
|
|
13. Waffenfliegenlarven |
5
|
2
|
3,0 |
6,0
|
|
14. Rattenschwanzlarven |
|
|
3,8 |
|
|
15. Rote Zuckmückenlarven |
|
|
3,8 |
|
|
16. Kriebelmückenlarven u.- puppen |
|
|
2,0 |
|
|
17. Grundwanzen |
|
|
1,0 |
|
|
18. Lidmückenlarven u.- puppen |
120 |
6 |
1,0 |
|
|
19. Köcherfliegenlarven mit Köcher |
|
|
1,5 |
|
|
20. Köcherfliegenlarven ohne Köcher |
101
|
6
|
2,0 |
12,0
|
|
21. Steinfliegenlarven |
|
|
1,0 |
|
|
22. Flache Eintagsfliegenlarven |
5 |
2 |
1,2 |
2,4 |
|
23. Runde Eintagsfliegenlarven |
|
|
2,0 |
|
|
24. Wasserasseln |
4 |
2 |
2,3 |
4,6 |
|
25. Bach und Flussflohkrebs |
|
|
2,0 |
|
|
26. Gemeiner Wasserfloh |
|
|
3,0 |
|
|
27. Barsch |
|
|
2,0 |
|
|
28. Rotauge |
|
|
2,0 |
|
|
Summe |
35 |
|
67,3 |
|
|
|
||||
|
|
67,3 |
Dividiert |
35 |
|
|
Wassergüteklasse = 1,92 |
||||
In der Tabelle 2 kann man nachsehen wie stark das Gewässer belastet ist. Das wäre bei unseren Beispiel eine mäßige Belastung des Gewässers, denn der WGKI ist 1,92 und bei Güteklasse 2 liegt der Saprobienindex zwischen 1,8 und 2,3.
|
Güteklasse |
I |
II |
III |
IV |
|
Grad der organ. |
Unbelastet bis geringfügig |
mäßig |
Stark |
Sehr stark |
|
Saprobienstufe |
oligosaprob |
β-
mesossaprob |
α-mesosaprob |
polysaprob |
|
Farbe auf der |
blau |
grün |
gelb |
rot |
|
Saprobienindex |
1,0 – 1,8 |
1,9 – 2,5 |
2,5 – 3,2 |
3,2 – 4,0 |
|
Sauerstoff- |
95 – 100 |
70 – 85 |
25 – 50 |
10 |