Meine Lebensgeschichte |
Der Bericht in weiß, ist ein Anamesebogen, den ich in der Entwöhnungsklinik ausgefüllt habe, das war am 4. Februar 1997, in Bad Essen!
Die Texte in grüner Farbe, habe ich dieser Tage (März 1998) hinzugefügt, also etwa ein Jahr danach!

Ausbildung und Beruf der Eltern ?
Ich weiß nicht ob meine Eltern eine Ausbildung hatten. Meine Eltern haben mir erzählt, das sie in Oranienburg HO-Laden betrieben haben. Ich weiß allerdings nicht ob sie dort angestellt waren, oder ob dieser Laden ihnen gehörte. In Berlin arbeitete mein Vater in einer Druckerei, dann in einem Kabelwerk, später dann bis heute als kaufmännischer Angestellter im Verkauf, dann im Wareneingang bei einem großen Berliner Warenhaus. Meine Mutter hat früher auch zeitweilig gearbeitet, aber ich weiß nicht als was. Später arbeitete sie ebenfalls als kaufmännische Angestellte im gleichen Warenhaus.
Anzahl, Alter und Beruf der Geschwister ?
Ich habe noch drei weitere Geschwister.
Mein Bruder (Hans-Jürgen/ Hansi) wurde am 1956 in Berlin geboren. Nach Abbruch seiner Ausbildung zum Polizisten, machte er eine Ausbildung zum Kfz-Schlosser, später arbeitete er als kaufmännischer Angestellter im Kfz-Teile- und Zubehörhandel. Dort ist er heute noch als Geschäftsführer tätig.
Meine Schwester (Eva-Maria / Evi) wurde 1958 oder 1959 in Berlin geboren. Meine Schwester machte Abitur, studierte dann Englisch und Sport. Sie wollte Lehrerin werden. Aber soweit ich weiß, hat sie heute mit ihrem Freund ein Sportbuchverlag und -versand.
Meine jüngste Schwester (Edita) wurde am 1965 in Berlin geboren. Sie hat keine Berufsausbildung und arbeitet als kaufmännische Angestellte. Ich weiß aber nicht wo und als was.
Wie war das Verhältnis der Eltern zueinander ?
Noch als sehr kleiner Junge habe ich beobachtet, daß mein Vater mit einem Messer auf meine Mutter losgegangen ist.
Ich kann mich nicht daran erinnern, daß meine Eltern vor mir und meinen Geschwistern gezeigt haben, das sie sich lieben. Eher wurden Streitigkeiten vor uns Kindern ausgetragen, bzw. mein Vater meckerte über dies und jenes (entweder war das Essen nicht okay, oder der Teppich war nicht gründlich genug gesaugt, ...)
War ein Elternteil bestimmend ? Welcher ?
Soweit ich mich erinnere, war mein Vater der bestimmende Elternteil, obwohl dies nicht unbedingt vordergründig erkennbar war.
Wie verstanden sich die Geschwister untereinander ?
Als wir klein waren haben wir immer miteinander gespielt. Wir hatten keine anderen Spielkameraden. Später, meine Schwester Evi wird etwa 8 Jahre alt gewesen sein, war sie sehr häufig beim Leichtathletiktraining. In dieser Zeit gingen wir drei älteren bereits unsere eigenen Wege. Allerdings schliefen wir Zuhause alle vier in einem kleinen Zimmer. Heute habe ich nur noch mit meinem Bruder einen losen Telefonkontakt, ganz selten telefoniere ich mal mit Edita. Mit Evi hatte ich seit Jahren nicht gesprochen. Sie wollte nichts mehr mit mir zu tun haben und ich weiß nicht warum, vielleicht weil ich meine Geschwister nur angerufen habe, wenn ich etwas getrunken hatte.
Allerdings habe ich sie letztens angerufen (Silvester 1997/8) und war sehr erschrocken, ich hatte den Eindruck, daß meine Schwester unter Drogen stand.
Wie verhielten sich die Eltern zu den Kindern (ausgeglichen, verwöhnend, vernachlässigend) ?
Diese Frage kann ich nur schwer beantworten. Ich wurde nicht verwöhnt, mit meiner Mutter ging ich öfters einkaufen (Tragesel?), wenn ich an meinen Vater denke, denke ich auch oft an Prügel, selten an schöne Dinge.
Mein Bruder erzählte mir am Sterbetag meiner Mutter, er sei nur wegen Vater ins Krankenhaus gekommen, Mutter wäre ihm egal. Einen Grund wollte er mir nicht erzählen.
Im Laufe meiner Therapiegespräche und auch erst wieder kürzlich, wurde ich immer wieder gefragt, ob denn mein Vater überhaupt mein Vater sei? Anfangs war ich verblüfft und unsicher, heute glaube ich schon das er es ist! Ich bin ihm viel zu ähnlich, meiner Meinungen nach!
Evi konnte studieren, auch wurde ihr sportliches Interesse unterstützt. Meine Eltern waren öfters als Zuschauer bei ihren Wettkämpfen. Als ich im Fußballverein war, waren meine Eltern nie bei einem Spiel dabei.
Mit Edita hatte ich einen guten Kontakt, ich habe mich oft bei meinen Eltern für sie eingesetzt. Ich glaube, meine Eltern haben mich versorgt. Alles andere wie Liebe, Zuwendung, Anerkennung und Wärme habe ich nicht kennengelernt, oder es war so selten, daß ich mich nicht mehr erinnern kann.
Als ich mit Sigrid aus Berlin wegging, wurde auch der Kontakt zu meinen Eltern weniger und schlechter. Einige Jahre haben wir uns nicht gesehen. Erst kurz vor dem Tod meiner Mutter (1991), habe ich sie anläßlich ihres Geburtstages besucht (für zwanzig Minuten). Dabei hat meine Mutter Heiko und Sigrid kennengelernt. Zu diesen Zeitpunkt war sie bereits krebskrank und befand sich in ärztlicher Behandlung und hatte auch schon eine Chemotherapie hinter sich.
Leben beide Eltern noch? Verheiratet oder geschieden ?
Meine Mutter ist im Sommer 1991 an Krebs gestorben. Tags zuvor wurde ich durch die Hildesheimer Polizei davon in Kenntnis gesetzt, das ich im Berliner Klinikum Steglitz anrufen sollte, dort erzählte mir meine„Schwägerin“, das meine Mutter im Sterben liegt. Ich ließ mich noch nachts von einem Bekannten nach Berlin fahren, war morgens am Sterbebett meiner Mutter. Am späten Nachmittag ist sie dann gestorben. Sie hat nichts mehr bemerkt, sie wurde wohl schon seit einigen Tagen unter Morphium gehalten. Mein Vater, meine Geschwister und meine Schwägerin waren am Sterbebett. Ich glaube ich habe den Tod meiner Mutter nicht richtig verarbeitet, und ich bedauere die Meinungsverschiedenheiten nicht mehr mit ihr besprochen zu haben. Mein Vater lebt noch. Nach dem Tod meiner Mutter hatte ich häufiger Kontakt zu meinem Vater, ich glaube wir haben uns in dieser Zeit gut verstanden. Er ist das zweite Mal verheiratet, mit der Schwester meiner Mutter. Von der Existenz dieser Frau war uns nichts bekannt. Erst nach Öffnung der DDR-Grenzen tauchte diese Frau auf. Wegen dieser Frau habe ich mich mit meinem Vater erneut entzweit.
Der Kontakt zu meinem Vater ist auch heute noch auf absoluter Sparflamme. Er weiß von meinen Aufenthalten in den psychiatrischen Kliniken, war jedoch nie gesprächsbereit. Er blockt jedes Gespräch ab, oder ich muß mir Sprüche anhören, wie: "Daran bist Du doch selber schuld!", oder "Kopf hoch, es wird schon wieder!". Mein Vater war auch nicht zu meiner zweiten Hochzeit da, weder bei der standesamtlichen (im Dezember '93), noch zur kirchlichen (im Mai '94). Mit Sigrid "siezt" er sich immer noch!

Wann und wo sind Sie geboren ?
Ich bin 1955 in Schmachtenhagen bei Oranienburg geboren.
Die ersten Lebensjahre bis zur Einschulung ?
Ich mußte bereits sehr früh (als Kleinkind) auf meine jüngeren Geschwister aufpassen, da Vater im Krankenhaus (insgesamt ca. sieben Jahre) war und Mutter zeitweilig noch nebenbei gearbeitet hat. Unsere drei (oder vier?!) Großmütter haben dann auf uns aufgepaßt.
Wo sind Sie aufgewachsen ?
Bereits kurz nach meiner Geburt, zogen meine Eltern von Schmachtenhagen nach Berlin. Dort lebten wir in einem kleinen Haus mit großen Garten. Das Haus war anfangs nicht komplett bewohnbar. Im späteren Wohnzimmer z.B. war der Fußboden nicht betretbar, dieser wurde später durch meinen Vater und seine Bekannten neu eingezogen. Die Toilette war ein sogenannter„Donnerbalken“, der außerhalb des Wohnhauses in einem Schuppen untergebracht war. Der Garten war schön groß, mit vielen Obstbäumen und -sträuchern. Auch einen Spielplatz für uns Kinder hatte mein Vater eingerichtet.
Freundschaften ?
Ich hatte keine Freunde, weder beim Spielen noch später in der Schule.
Auch heute habe ich keine Freunde!
Wichtige Lebensereignisse aus Kindheit und Jugendzeit, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind ?
Probleme konnte ich nicht mit meinen Eltern besprechen, es hieß meistens:
„Die Suppe hast du dir eingebrockt, nun löffele sie auch selbst aus.“.
Wahrscheinlich hatte ich auch Angst vor Bestrafung. Ich habe früh damit angefangen, Probleme dadurch zu lösen, indem ich wartete bis sie sich von selbst erledigten. Auch andere Redensarten hörte ich immer wieder:
„Ein Indianer kennt keinen Schmerz.“
„Jungs weinen nicht!“
„Du bist schon groß.“ - wenn es um die Verantwortung für meine Geschwister ging.
Eines Tages, ich war bei meiner Mutter in der Küche (ich war etwa 3 Jahre alt), kam mein Vater in die Küche gefegt und hatte ein großes Messer in der Hand. Er war sehr wütend und wollte wohl auf meine Mutter los, als er mich bemerkte ist er wieder abgezogen. Ich weiß bis heute nicht was damals los war.
An eine merkwürdige Beobachtung erinnere ich mich: Meine Eltern und ihre Freunde feierten ein Fest im Garten mit Bowle. Mein Vater hatte diese im Keller kühlgestellt, als er den Eimer aus dem Keller holte, tauchte in der Kelleröffnung plötzlich ein Delphin auf.
Zufälligerweise habe ich meine Mutter einmal nackt in der Küche gesehen. Sie war ziemlich dick (schwanger) und rot. Sie hat sich gerade gewaschen. Ich muß etwa drei oder vier Jahre alt gewesen sein.
Vor einigen Tagen ist mir ein Ereignis in Erinnerung gekommen, das mit Angst und Furcht zu tun hat. Ich erinnere mich (ich war etwa 5 Jahre), das ich mich nachts nicht auf den "Donnerbalken" traute, auch traute ich mich nicht in die Küche (wo der Eimer stand), ich nahm einige Taschentücher, legte mein Geschäft drauf und schob diese unter mein Bett. An die Reaktion meiner Mutter/Eltern kann ich mich noch nicht erinnern. Ich weiß aber, das mir in meiner Kindheit jede Menge Angst und Furcht eingebleut worden ist, vor allem und jedem. Heute habe ich mit diesen Ängsten sehr große Probleme. Selbst realistische Betrachtungen der jeweiligen Situation, lassen mich doch immer wieder vor Angst handlungsunfähig werden.

Schule, Ausbildung und wichtige Lebensereignisse
Schulischer und beruflicher Werdegang (Ausbildung) ?
Probleme in der Schule, bei schlechten Zensuren wurde ich ausgeschimpft, das Taschengeld gekürzt, Stubenarrest, ein Gespräch mit Vater.
Besondere Leistungen und Schwierigkeiten in der Schul- und Berufsausbildung ?
Ab der achten Klasse bessere Noten in Mathematik, Physik, Chemie, dafür gab es dann auch Belohnungen und Lob. „Weiter so, dann wird aus dir auch was.“ Ich hätte gern das Abitur gemacht, mußte jedoch eine Ausbildung als Speditionskaufmann anfangen.
Wichtige Lebensereignisse, wie z.B. Freundschaften und Partnerbeziehungen, Heirat, Geburt von Kindern, Scheidung, Wohnungswechsel, Berufswechsel, Krankheiten, Todesfälle ?
Während der Realschule habe ich in der ev. Kirche angefangen, Jugendarbeit zu machen, war fast täglich in Gemeindezentrum, ich habe mich dort sehr wohl gefühlt.
Mit achtzehn/neunzehn habe ich angefangen häufiger zu trinken, meistens am Wochenende. Habe aber auch nebenbei noch Jugendarbeit in der evangelischen Kirche gemacht.
Ich habe mit zwanzig Jahren meine erste wichtige Beziehung zu Conny (sie kam aus Sarstedt) angefangen. Sie dauerte ein Jahr. Conny verließ mich, weil ich sie eines Abends geschlagen habe, weil sie zu spät nach Hause kam, obwohl wir verabredet waren und zusammen Essen wollten. Auch hatte ich an diesem Abend bereits etwas getrunken. Während dieser Zeit habe ich mir beim Sex eine Verletzung am Penis zugezogen, die ich ohne ärztliche Behandlung verheilen ließ. Seitdem glaube ich, daß ich empfindlicher beim Geschlechtsverkehr geworden bin.
Einige Monate nach der Trennung hat Conny mir mitgeteilt, das sie unser Baby abtreiben lassen hat. Danach habe ich nie wieder mit ihr gesprochen. Die Trennung von Conny habe ich nicht verarbeitet. Wenn ich an Conny denke, habe ich Schuldgefühle und schäme mich.
Ich habe nach Conny nichts mehr von Frauen wissen wollen. Habe auch keine neuen Beziehungen angefangen. Ich kann mich auch an keine Frau erinnern. Ich habe mich völlig zurückgezogen, habe keinerlei enge Kontakte mehr zugelassen, bin zeitweilig völlig verwahrlost. In dieser Zeit habe ich auch viel getrunken.
Als ich Christine kennenlernte, wollte ich eigentlich etwas von ihrer Freundin, aber bei der konnte ich nicht landen. Habe Christine dann auch besser kennengelernt und auch gemocht. Wir sind dann auch bald zusammengezogen, vielleicht auch, weil Christine von Ihren Eltern weg wollte? Ich habe ihr immer gesagt, das ich sie nicht lieben kann (wegen der Geschichte mit Conny). Das hat ihr aber nichts ausgemacht. Wir haben trotzdem geheiratet.
Wahrscheinlich habe ich Christine doch geliebt, wollte es mir aber aus Selbstschutz nicht eingestehen, um nicht wieder enttäuscht zu werden. Mit Christine habe ich zwei Kinder, ein drittes ist im Mutterleib gestorben. Christine hat mir die Schuld daran gegeben, weil ich häufiger trank.
Christine wollte nicht mit mir aus Berlin wegziehen, wegen der Fortführung meines Substituten-Lehrganges bei Karstadt war das unerläßlich. Also habe ich die “Karriere” abgebrochen. Nach dem zweiten Kind hat sich meine Beziehung zu Christine deutlich abgekühlt. Sie hat sich gehenlassen, hat nicht mehr auf ihren Körper geachtet, ist dick geworden. Ich mochte sie kaum noch berühren, meistens hatte ich getrunken, wenn wir Sex hatten.
In dieser Zeit (1982) hatte ich einen schweren Unfall, ich wurde von einem PKW erfaßt und quer über die Straße geschleudert. Außer einer schweren Gehirnerschütterung und einige Prellungen und Hautabschürfungen war ich nicht verletzt.
Christine hat mich auch nicht unterstützt, in meiner Selbständigkeit (1987/88) mit dem Fahrradgeschäft. In den letzten Wochen habe ich fast täglich mein Geschäft vernachlässigt, und war meistens in der Kneipe und habe getrunken. Ganz zum Schluß meiner Ehe mit Christine, war ich auch häufiger im Bordell und habe dort viel Geld ausgegeben.
Ich habe die Trennung von Christine nicht verarbeitet, habe zu schnell eine neue Beziehung angefangen mit Sigrid. Nachdem ich bei Christine auszog (Dezember 1988), hatte ich auch nicht mehr den Mut sie zu sehen.
Für die Scheidung habe ich mir auch keinen Anwalt genommen. Meine Töchter habe ich in der Folgezeit sehr selten gesehen.
Wenn ich an Christine denke habe ich Schuldgefühle. Wenn ich an Alexandra und Maike denke werde ich traurig und neugierig, und ich schäme mich für mich.
Daran hat sich bis heute nichts geändert!
Einige Wochen später lernte ich Sigrid kennen. Bereits kurze Zeit später zogen wir zusammen nach Garbsen und wohnten bei Ihren Eltern. Allerdings gab es dort sehr häufig Probleme. Dann zogen wir dort aus. Einige Zeit später wohnten wir in Emmerke, dann in Himmelsthür und dann in Uppen.
1991 ist unser gemeinsamer Sohn geboren.
Im Januar 1992 hatte ich einen schweren Autounfall. Ich war Beifahrer, wir prallten gegen einen Baum. Ich war unverletzt und die Fahrerin war schwer verletzt.
Im Frühjahr 1992 hat Sigrid mich das erste Mal verlassen und ist ins Frauenhaus gegangen. Ihre Begründung war, das sie es in der kleinen Wohnung (ca. 40 qm) nicht mit mir und Heiko aushalten könne. Es hat keine gewalttätigen Auseinandersetzungen gegeben. Wir haben auch in dieser Zeit beide häufig getrunken. In dieser Zeit hatten wir fast täglich Kontakt, auch hat sie mir gesagt, wo das Frauenhaus ist. Ich habe sie dort häufiger abgeholt oder hingebracht. Ich konnte Sie davon überzeugen, das wir zusammengehören und auch eine größere Wohnung finden würden. Ich habe sie geliebt und ihr das auch gesagt.
In dieser Zeit hatte Sigrid ein kurzes sexuelles Verhältnis. Kurz nachdem sie wieder eingezogen war, erzählte sie mir von ihrem Seitensprung. Ich verzieh ihr, habe ich jedenfalls gesagt. Ich glaube, daß das mich sehr getroffen hat.
Im Februar 1993 ist Sigrid das zweite Mal ausgezogen, mit der gleichen Begründung wie im Jahr davor. Auch diesmal gab es keine gewalttätigen Auseinandersetzungen. Wieder war sie im Frauenhaus. Auch diesmal hatten wir fast täglich Kontakt. Ich verstand sie nicht.
Aber diesmal wollte Sigrid nur zurückkommen, wenn wir eine größere Wohnung hätten, und wenn ich sie heiraten würde. In dieser Zeit waren wir auch einmal bei der Familienberatung, aber Sigrid wollte da nicht wieder hin, weil sie meinte, die Beraterin könne sie nicht leiden.
1993 fand ich eine gutbezahlte Stelle als Speditionskaufmann in Hildesheim. Allerdings habe ich dort sehr viel gearbeitet. Durchschnittlich ca. 50 bis 60 Stunden in der Woche, im Früh- und Spätdienst, auch Samstags und Sonntags.
An den Wochenenden haben wir meistens getrunken.
Eine größere Wohnung haben wir gefunden. Am 8. Dezember 1993 haben wir standesamtlich, und am 7. Mai 1994 kirchlich geheiratet.
Bereits in der Zeit vor der Hochzeit hatten wir miteinander sexuelle Probleme. Meistens schliefen wir nur miteinander, wenn wir getrunken hatten. Häufig sahen wir uns vorher Pornofilme an, was Sigrid jedoch immer mehr abschreckte. Auch wollte ich mich immer seltener von ihr berühren lassen. Zärtlichkeiten und Liebkosungen, sowie Küsse konnte ich auch immer seltener zulassen. Als Sigrid mich darauf ansprach, habe ich mich ihr gegenüber zugewandter verhalten. Aber lange hielt das nicht vor.
Sigrid erzählte mir, das als achtjähriges Mädchen von einem Mann über Jahre hinweg sexuell mißbraucht worden sei. Diese Tat wurde damals nicht bei ihren Eltern bekannt und bemerkt. Mit etwa siebzehn Jahren unternahm Sigrid einen Selbstmordversuch mit einem Pflanzenschutzmittel (E 605). Dieser Versuch mißlang und es gab auch eine kurze psychiatrische Behandlung.
Im 27. Februar 1996 hat Sigrid sich von mir getrennt. Die Gründe waren mir nicht akzeptabel, einige Tage später erfuhr ich, daß einen Freund hatte. Wenn ich an Sigrid denke werde ich traurig, wütend, ohnmächtig und resigniert. Wenn ich an Heiko denke, werde ich traurig und hoffnungslos, und ich schäme mich für mein Verhalten ( ich gebe mir die Schuld an der Trennung).
Am 28. Februar 1996 hat mein Hausarzt mir dringend nahegelegt, ins LKH (Landeskrankenhaus Hildesheim) zu gehen, da ich suizidale Gedanken hatte. Zunächst war ich aus der Station 3.1 (für etwa 5 Wochen), danach für ca. 9 Wochen auf der Therapiestation 4. Auf dieser Station wurde mir erstmals bewußt, was für ein Leben ich geführt habe. Immer wollte ich die Erwartungen der Anderen erfüllen, um Zuwendung und/oder Anerkennung zu erhalten. Ich habe mich und mein Leben nie ernst oder wichtig genommen. Auf Station 4 habe ich angefangen über Gefühle nachzudenken, ich habe auch angefangen eine Liste von Gefühlen zu erstellen, um zu lernen, welche Gefühle es gibt. Auf dieser Station habe ich Tanja (26 J.) kennengelernt. Diese Beziehung war sehr vorsichtig und zärtlich. Im Laufe der Zeit wurde unsere Beziehung intimer. Um den 20. Mai wurde ich aus dem LKH entlassen, mit meiner Therapeutin hatte ich einen zweiwöchigen Therapieurlaub vereinbart.
In der Zeit vor der Station 7 habe ich anfangs wieder viel getrunken. Tanja, Ines und Helmut rieten mir wieder ins LKH zu gehen. Was ich auch vorhatte. Am Tag vor der Aufnahme ins LKH, hat Tanja (26) unsere Beziehung dahingehend verändert, daß wir uns nicht mehr sehen, weil es besser für mich sei und Tanja nicht die gleichen Gefühle für mich hat. Sie will mir schreiben. Tanja wird mir fehlen. Die Zeit mit Tanja war zärtlich und lieb. Als sie mich verließ war ich sehr traurig und verzweifelt und habe geweint. An diesem Abend habe ich noch einmal viel getrunken. Am Folgetag schämte ich mich dafür und traute mich wieder einmal nicht aus meiner Wohnung. Ich erschreckte wieder einmal bei jedem Geräusch, hatte auch keine Musik an. Ich beschloß meine Wiederaufnahme in das LKH auf Turnusbeginn zu verschieben. Ich wollte versuchen etwas Sinnvolles zu tun (z.B. meine Wohnung endlich renovieren, einige wichtige Sachen erledigen, usw).
Meine Beziehung zu Tanja auf der Station 4, war wohl ein untauglicher Versuch Gefühle zu erfahren und etwas für mich zu tun.

Jetziger Tätigkeitsbereich ?
Zuletzt war ich als verantwortlicher Disponent bei einer Hildesheimer Spedition beschäftigt.
Art der Anforderungen im Beruf ?
Meine Hauptaufgabe bestand darin, für 30 bis 40 Lkws Ladungen zu besorgen und einen reibungslosen Ablauf in der Auftragsabwicklung zu gewährleisten. Dabei mußte ich auch Rücksicht auf bestehende Gesetze und Verordnungen (u.a. Lenkzeitverordnung) nehmen, was aber in diesem Gewerbe nicht mehr möglich ist, da Termine bindend sind und um das Unternehmen konkurrenzfähig zu erhalten. Aus diesen Gründen bin ich auch mehrfach zu Geldbußen und -strafen verurteilt worden. Die Arbeitszeiten in meinem Beruf sind eher familienfeindlich. In der ersten Spedition bei ich arbeitete habe ich i.d.R. 50 Stunden in der Woche gearbeitet, sehr häufig auch bis zu 60/65 Stunden in der Woche. Alle 14 Tage auch Samstags und Sonntagabend. Bei der zweiten Spedition habe ich von 6:45 bis 18:00 gearbeitet, anschließend habe ich mich noch oft von zu Hause aus mit den Fahrern in Verbindung gehalten, um den reibungslosen Auftragsablauf zu gewährleisten.
Probleme und Schwierigkeiten im Berufsleben ?
siehe oben. Bei der Arbeit habe ich mich in den letzten Jahren unter sehr hohen Leistungsdruck gesetzt. Ich habe erfolglos versucht mich unentbehrlich zu machen, habe häufig ohne Widerrede Überstunden in jeder Menge akzeptiert.
Sind Sie mit Ihrem Beruf und Ihrer jetzigen Tätigkeiten zufrieden ?
Nein! Erst in den letzten Monaten ist mir die große Verantwortung bewußt geworden. Das hat dazu geführt, daß ich versuchte eine 150%ige Leistung zu bringen um nur keine Fehler zu machen. Ich konnte kaum noch schlafen. Immer habe ich an die Auftragsabwicklung gedacht. Ständig hatte ich Angst, das einer der Fahrer durch die hohen Anforderungen einen Unfall erlitt. Ich wäre dafür verantwortlich gewesen.
Ab Mitte April 1998 werde ich eine Umschulung zum "Assistenten für Informatik" anfangen. Dauert zwei Jahre, Prüfung vor der IHK. Darauf freue ich mich schon sehr!

Familiensituation und Beziehungen zur Umgebung
Anzahl, Alter Ihrer Kinder ?
Aus erster Ehe habe ich zwei Töchter.
Alexandra ist am 16. März 1980 in Berlin geboren.
Maike ist am 22. Februar 1984 in Berlin geboren.
Aus zweiter Ehe habe ich einen Sohn.
Heiko ist am 22. Februar 1991 in Hildesheim geboren.
Erziehung der Kinder ?
Schul- und Berufsausbildung der Kinder ?
Über die Schulausbildung meiner Töchter ist mir nichts bekannt.
Mein Sohn Heiko geht seit fast zwei Jahren in den Kindergarten.
Mittlerweile ist Heiko bereits in der ersten Klasse, siehe auch Heiko's Seite.
Beziehung zu den Kindern ?
Meine Töchter leben bei meiner ersten Frau in Berlin. Seit der Beerdigung meiner Mutter habe ich meine Töchter nicht mehr gesehen. Meine geschiedene Frau hat 1991 wieder geheiratet, sie hat es sehr gut verstanden, das meine Töchter mich als „Monster?“ sehen. Beim letzten Gespräch mit Maike, anläßlich ihres 8. Geburtstages meldete ich mich mit: „Hier ist der Papa.“ Ihre Antwort war: „Welcher Papa?, ich habe einen neuen Papa, du bist nicht mehr mein Papa!“
Danach habe ich nie wieder in Berlin angerufen.
Meine Töchter habe ich das letzte Mal bei der Beerdigung meiner Mutter (1991) gesehen!
Daran hat sich bis heute nichts geändert, beide Töchter haben/hatten in diesen Tagen Geburtstag (Maike wurde 12 Jahre, Alexandra wird 16 Jahre). Sie fehlen mir sehr, aber ich traue mich nicht erneut Kontakt aufzunehmen. Ich habe einfach Angst, das sie mich erneut zurückweisen!
Meine Beziehung zu Heiko ist sehr innig. Ich liebe Heiko, obwohl es zeitweilig sehr schwer ist mit ihm auszukommen, er ist manchmal sehr bockig. Er hat wohl Angst, das ich wieder weggehen könnte. Ich unternehme möglichst viel mit Heiko, rede, spiele und lerne mit ihm.
Mit Heiko komme ich prima klar, wir haben ein ehrliches Vertrauensverhältnis! Heiko ist der einzige Mensch, der mir noch nie weh getan hat!!!
Beziehung zum Partner ?
Sigrid habe ich kurz nach meinem Auszug kennengelernt. Sie konnte mich damals nicht leiden. Trotzdem sind wir zusammen aus Berlin weggegangen. Ich konnte das Alleinsein nicht ertragen und deshalb habe ich versucht Sigrid an mich zu binden. Auch Sex spielte eine Rolle. In den ersten Monaten haben wir uns oft gestritten. Aber in dieser Zeit haben wir uns „zusammengerauft“. Unsere Beziehung war gegenseitig eigentlich ziemlich oberflächlich. Ich habe ihr nie meine Gefühle mitgeteilt, ich habe Gefühle ja nicht einmal für mich zugelassen.
Durch die vielen Trennungen und ihren Seitensprung, habe ich mich immer mehr von Sigrid zurückgezogen.
Wie sehen Sie Ihren Partner ?
Im LKH war ich traurig, wütend und enttäuscht über Sigrid. Ich fühlte mich von ihr verraten und im Stich gelassen. Mittlerweile habe ich Verständnis für sie. Auch baue ich wieder Vertrauen zu Sigrid auf. Ich konnte ihr auch klarmachen, das sie ihre Probleme nicht länger verdrängen kann und darf. Ihre Probleme betreffen auch mich, wahrscheinlich sind ihre häufigen Auszüge und Trennungen auf ihre Probleme zurückzuführen. Ich möchte mit Sigrid zusammen eine lebendige, schöne, vertrauensvolle, zärtliche Beziehung aufbauen.
Welche Personen stehen Ihnen außerdem noch nahe ?
Ines (28 Jahre) habe ich im LKH kennengelernt. Ich mag sie sehr, trotzdem habe ich ihr noch nicht geschrieben und auch nicht angerufen.
Sabine (30 Jahre) habe ich auf der Straße, bei einer Fahrradpanne am Rad ihres Freundes Rudi kennengelernt. Mit ihr kann ich über meine Probleme sprechen. Wir haben eine sehr freundschaftliche Beziehung. Mittlerweile hat Sigrid Sabine und Rudi kennengelernt, auch sie verstehen sich. Aber auch dieser Kontakt ist abgebrochen.
Karl-Heinz (30 Jahre) kenne ich schon fast drei Jahre, aber erst im letzten halben Jahr sind wir uns nähergekommen, wir sprechen oft über unsere Probleme. Auch erläßt sich nicht mehr sehen.
Leider haben sich alle diese Beziehungen totgelaufen, das liegt wohl an mir. Ich habe es bis heute nicht geschafft, Bekanntschaften zu pflegen! Irgendwelche Hemmungen (?!) blocken leider immer noch fast jede Nähe ab!
Wie verbringen Sie Ihre Freizeit ?
Ich lese wieder (Sachbücher Psychologie/Leben, Romane mit zeitgeschichtlichem Hintergrund) und arbeite/spiele häufig am Computer. Außerdem beschäftige ich mich mit meiner Situation, sowie mit Sigrid und Heiko. Zur Zeit spiele ich ab und zu Soft-Dart.
Welches sind Ihre Hobbys ?
Mein Hauptinteresse gilt dem Computer (Hardware und Programme) Meine weiteren Hobbys sind die Philatelie, meine Modelleisenbahn, sowie Musik und lesen. Auch wandere ich gerne und möchte demnächst auch wieder etwas Sport (Badminton, Tischtennis) treiben.
Zum Sporttreiben bin ich leider immer noch nicht gekommen, allerdings laß ich sehr gerne meine Lenkdrachen fliegen. In den Krankenhäusern habe ich entdeckt, daß mir das Malen Spaß macht, inzwischen male ich Aquarelle und auf Seide (vorzugsweise japanische bzw. fernöstliche Motive).

Wohnsituation und finanzielle Lebensbedingungen
Wo und wie wohnen Sie ?
Während meiner Therapie habe ich mir zwangsläufig eine kleine Wohnung nehmen müssen. Mir war es egal wie und wo ich wohnte. Ich wollte lediglich eine Unterstellmöglichkeit für meine Möbel und meine persönlichen Sachen haben.
Im Augenblick wohne ich in der Wohnung meiner Frau, dort werde ich auch in den nächsten Wochen endgültig einziehen.
Finanzielle Situation ?
Ich habe keinen genauen Überblick über meine finanzielle Situation. Ich habe etwa DM 150.000,-- Schulden. Ich habe mich selten darum gekümmert, einem nackten Mann kann man nicht in die Tasche greifen. Auch eidesstattliche Erklärungen habe ich abgegeben. Im Augenblick bin ich dabei mir eine gute Schuldnerberatung zu suchen, um meinen Schuldenberg in den Griff zu bekommen.
Bei der Schuldnerberatung waren wir schon mehrmals. Jedesmal wurde uns gesagt, abwarten, es kommt ein neues Gesetz, daß auch Privatschuldnern eine brauchbare Lösung bietet, die Schulden abzutragen. Allerdings ist es kein Gesetz, sondern eine Verordnung - dieInsolvenz-Verordnung (Inkraftgetreten am 1.1.1998, mittlerweile auch schon angewandt, aber es gibt auch noch viele Unzulänglichkeiten!).

Alkoholkrankheit - Tablettensucht