Ein Traum geht in Erfüllung: Die Stadt Hildesheim rekonstruiert mit der Hilfe engagierter und spendenwilliger Bürger und unter Einsatz von Sanierungsmitteln des Bundes und Landes Niedersachsen ihren historischen Marktplatz mit den Häusern, die am 22. März 1945 ein Opfer der Bomben wurden, darunter das 1529 erbaute Knochenhaueramtshaus, eines der schönsten Fachwerkhäuser der Welt.
Nicht minder schön waren das Wedekindhaus (1598), ebenfalls ein prächtiger Fachwerkbau, dem sich das Lüntzelhaus (um 1750) und das wohl aus dem 14. Jahrhundert stammende Rolandhaus mit seinem um 1730 entstandenen Barockanbau anschlossen. Diese Häuser an der Südseite des Marktplatzes sind von 1984 bis 1986 wiederaufgebaut wurden und heute Hauptsitz der Stadtsparkasse Hildesheim.
Um das malerische Bild des ehemaligen Marktplatzes und das architektonische Ensemble, das Elemente vom 13. bis 19. Jahrhundert enthielt, wieder zu erreichen, werden an der Nordseite desMarktes die historischen Fassaden der Stadt- schenke (1666), des Rokokohauses (1757) und des Wollenwebergildehauses (um 1600) wiederaufgebaut. Sie bilden die Frontansichten eines 100-Zimmer- Hotels, das der britische, weltweit engagierte Konzern Trusthouse Forte ab 1987 errichtet und auch betreiben wird. Zum gleichen Zeitpunkt wird das Knochenhaueramtshaus als Holzständerhaus errichtet Hierfür und für den Wiederaufbau des benachbarten Bäckeramtshauses (um 1800) ist die Bürgergemeinschaft Marktplatz Hildesheim federführend zuständig. Mit dem Rathaus, dessen früheste Teile dem 13. Jahrhundert entstammen, und das wie das Tempelhaus aus dem 14. Jahrhundert mit seinen schönen Renaissanceerker(1591) nach dem Krieg neu errichtet wurde, wird dann die »Gute Stube» Hildesheims vollendet sein.
Bereits kurz nach Kriegsende wiederaufgebaut sind weitere Sehenswürdigkeiten der "Jungen Großstadt mit alter Geschichte": Der Dom (872) mit seinen Bernwardinischen Kunstschätzen, dem Tausendjährigen Rosenstock und den kostbaren Exponaten im Diözesanmuseum sowie St. Michael (1010-1033), eine der schönsten frühromanischen Kirchen im norddeutschen Raum und Zeugnis ottonischer Baukunst, die beide 1985 durch die UNESCO zum Weltkulturerbe der Menschheit erklärt wurden, sowie St. Andreas (1389), die gotische Bürgerkirche im Herzen der Stadt, in der Bugenhagen 1543 die Reformation in Hildesheim einführte und die mit 114,5m den höchsten Kirchturm in Niedersachsen hat
Den Reiz der Fachwerkherrlichkeit vermitteln die Häuser im Brühl und Hinteren Brühl, am Lappenberg und Gelben Stern, in der Knollen- und Keßlerstraße. Viele wurden von Bürgern mit Hilfe der Stadt und des Landes restauriert Vom Kehrwiederwall mit dem gleichnamigen Turm ans dem 13. Jahrhundert hat man einen schönen Blick auf dieses historische Stück Hildesheim und auf St. Godehard (1133), eine der wenigen romanischen Kirchen in Deutschland, die in ihrer ursprünglichen Form fast unverändert erhalten blieb.
Weltberühmt ist das Roemer- und Pelizaeus-Museum mit einer der bedeutendsten altägyptischen Sammlungen sowie einer der schönsten und ältesten Alt-Peru-Sammlungen Europas, der Ernst-Ohlmer-Sammlong chinesischen Porzellans, dem Tafelsilber des Fürstbischofs von Hildesheim und der stadtgeschichtlichen Abteilung. Hildesheim ist übrigens eine der wenigen deutschen Städte, die partnerschaftliche Beziehungen zu Ägypten unterhalten. Die Partnerschaft zu El Minia besteht seit 1979.
Eine Spitzenleistung In Niedersachsen - und die nicht nur beider Platzausnutzung - nimmt auch das Stadttheater Hildesheim milden Sparten Oper, Operette, Musical, Schauspiel und Ballett ein.
Ebenfalls nicht unerwähnt bleiben darf das Stadtarchiv mit wissenschaftlicher Bibliothek, wo sich historische Dokumente ab dem 12. Jahrhundert, darunter das Stadtrecht von 1249, und über 80000 Bücher befinden.
Die Fußgängerzonen und Geschäftsstraßen im Zentrum der Stadt laden zum Bummeln und Kaufen ein, der Freizeit, Gesundheit und einem hohen Wohnwert dienen zahlreiche Wald-, Grün- und Wasserflächen.
Zu den wichtigen Bildungseinrichtungen gehören die Hochschule für Erziehungs-, Sprach- und Kulturwissenschaften, die inzwischen zu einer kleinen kreativen Universität herangewachsen ist, die Fachhochschule mit den Fachbereichen Architektur- und Bauingenieurwesen, Kommunikations- und Produkt- Gestaltung sowie Sozialpädagogik, die Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege sowie das Landesinstitut für Lehrerfort-, Lehrerweiterbildung und Unterrichtsforschung.
Wirtschaftlich hat Hildesheim die größte Konzentration von Elektro- und Elektronikfirmen in Norddeutschland. Umweltschonendes Gewerbe, großzügig dimensionierte und vorbildlich erschlossene Industrie- und Gewerbeflächen sowie ein modernes Technologiezentrum zeigen, daß hier die Zukunft schon programmiert ist.
Horst Richter