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Am 22 . Februar 1991 geboren, also in einer Zeit, in der Sigrid´s Angstattacken am stärksten sind.

Heiko ist von jeher sehr aktiv (hyperaktiv?), redet fast pausenlos und kaum zur Ruhe zu bringen. Sigrid war in den ersten Jahren keine besonders geduldige Mutter, verlor auch manchmal schnell die Beherrschung, schrie lautherum und vertrug sich oft nicht mit Heiko! Nach solchen Ausfällen suchte sie nach Rechtfertigungen, wurde meistens dann aber sehr still und hatte ein schlechtes Gewissen. Wegen dieser Ausfälle hatten wir auch oft Streit, wir sind beide dickköpfig, so daß diese Streitsituationen manchmal auch einige Tage dauerten.

Heiko, 4 JahreWir beide lieben Heiko und umgekehrt ist es sicher genauso.

Als wir im Januar/Februar! 1997 eine Pflegefamilie für Heiko finden mußten, waren wir froh, daß das Jugendamt uns inoffiziell eine Adresse gab. Der Kontakt war schnell hergestellt, ein mehrstündiges, persönliches Kennenlernen schloß sich an, alles schien klar. Wir hatten schnell eine gute Pflegefamilie gefunden, mit der auch Heiko einverstanden war. Außerdem hatte die Pflegefamilie einen Sohn, der in Heiko´s Alter war.

Sigrid war zu dieser Zeit stationär in psychiatrischer Behandlung, Karl-Heinz trat Anfang Februar eine Reha-Maßnahme in Bad Essen an, einer Klinik zur Behandlung von Alkohol- und Medikamentenmißbrauch.

Nach einigen Wochen mehrten sich die Anzeichen, daß Heiko in dieser Pflegefamilie doch nicht so gut zurecht kam, wie wir anfangs hofften. Wir nahmen an, daß es an der langen Trennung von uns lag und maßen dem noch keine große Bedeutung zu. Aber es wurde schlimmer, in Telefonaten mit Karl-Heinz weinte Heiko immer häufiger, wollte nach Hause, machte deutlich das er sich in der Pflegefamilie nicht mehr wohlfühlte!

Im April hatten wir ein Treffen mit den Pflegeeltern, wir meldeten uns nicht vorher an, um zu klären, was los ist. Wieder schien es, als wäre alles nur auf Heiko´s Heimweh zu uns und unserer Umgebung zurückzuführen. Heiko erzählte uns kaum Dinge oder Ereignisse, die uns Anlaß gegeben hätten, die Situation zu verändern, oder den Pflegeeltern gegenüber anders aufzutreten.

Ende Mai 1997 waren wir alle wieder zusammen, es folgte eine sehr glückliche Zeit, die Krankenhausaufenthalte, die Pflegefamilie, alles das schien vergessen. Wir fanden eine neue Wohnung, die auch bald bezugsfertig werden sollte. Heiko und Sigrid machten im August noch eine Mutter und Kind-Kur in Freudenstadt/Schwarzwald, die drei Wochen dauern sollte. In der Kur erzählte Heiko Sigrid viele Ereignisse, die sich in der Pflegefamilie abgespielt haben. Kaltes duschen, den Duschstrahl ins Gesicht und Nase halten, intensives Einreiben der Haut (Heiko ist Neurodermiker!), Beschimpfungen wegen angeblicher "Schandtaten" (einmal z.B. soll Heiko im Teich des Hauses alle Fische getötet haben, was aber der Junge der Pflegefamilie war), Heiko wurde oft beschimpft und bestraft, für Dinge die der eigene Sohn der Pflegefamilie angestellt hatte. Es wurden nicht beide Kinder gleichbehandelt!

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In dieser Zeit wollte Karl-Heinz die neue Wohnung schon renovieren und eventuell den Umzug in die Wege leiten. Lange Rede, kurzer Sinn, die Wohnung wurde und wurde nicht bezugsfertig, Karl-Heinz vertrug das Alleinsein (wir hatten weder Verwandte noch Freunde) nicht, bekam erneut Depression und ging für eine Tage wieder ins Krankenhaus. Sigrid und Heiko kamen nach bereits zwei Wochen wieder nach Hause und wir warteten gemeinsam auf unsere neue Wohnung.

Ende August 1997 wurde Heiko eingeschult! Er bekam eine Lehrerin und einer seiner Mitschüler war..., der Sohn der Pflegefamilie!

unten: Heiko, bereits am 1. Schultag unter Streß...

Heiko´s EinschulungKurz vor Beginn der Herbstferien, erhielten wir die Mitteilung Klassenlehrein, daß sie der Meinung sei, daß Heiko in den Schulkindergarten versetzt werden müsse, da er dem Unterricht nicht folgen könne, er wäre noch zu verspielt. Wir sprachen mit Heiko darüber, er erzählte uns, daß die Klassenlehrerin häufig die Klasse anschrie, manche Kinder (auch Heiko) manchmal mit Nichtachtung strafte, und das der Junge der Pflegefamilie ihn ständig drangsalierte. Heiko machte uns sehr deutlich, das er in dieser Klasse nicht bleiben möge, er würde lieber in die Klasse gehen, wo es einen Klassenlehrer gab. Wir vereinbarten ein Gespräch mit dem Rektor der Schule und seiner Klassenlehrerin, erzählten umrißhaft unsere Lebenssituation der letzten Jahre und baten um Heiko´s Versetzung in die andere Klasse, den Schulkindergarten lehnten wir ab.

Jetzt geht Heiko in diese andere Klasse, geht gern zur Schule, kommt und macht im Unterricht mit und hat die Flöten-AG gewählt.

Inzwischen ist Heiko wieder sehr verunsichert. Die Mama ist wieder im Krankenhaus und er machst sich Gedanken und Sorgen. Manchmal sagt er: "Die Mama kommt nicht wieder nach Hause!", er ahnt Sigrid's Suicidgedanken, er weiß das es seiner Mama sehr schlecht geht. Oder er sagt: "Ich komme nicht wieder nach Hause, dann geht's Euch besser!".

Das alles aufzufangen und auszugleichen, fällt sehr schwer!

Sigrid & Karl-Heinz

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© by skhl-Hildesheim 1998

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