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aus: Hildesheimer Allgemeine Zeitung vom 10.03.1998

Elfjähriger als Erpresser

Einen ungewöhnlichen Einfall, sein Taschengeld aufzubessern, hatte ein Elfjähriger in der vergangenen Woche. Vor seiner Schule in der Nordstadt forderte er einen achtjährigen Mitschüler auf, ihm zehn Mark zu besorgen. Sollte er dies nicht tun, würde er Prügel bekommen. Der Achtjährige vertraute sich seinen Eltern an, die bei der Polizei Anzeige erstatteten.

Der Elfjährige ist zwar noch nicht strafmündig, das Jugendamt wird aber informiert und verfolgt den Fall weiter. Die Polizei rät, auch bei Kindern oder Jugendlichen als Täter, stets zu einer Anzeige.


aus: Extra Blatt am Mittwoch, vom 18.02.1998

Kommentar

Die gutgemeinten Versuche, mit pädagogischer Behutsamkeit und Präventionsräten jugendliche Straftäter auf den Pfad der Tugend zu bringen, nützen herzlich wenig, solange Kindern nicht schon im Elternhaus die Grundregeln einer zivilisierten Gesellschaftsordnung beigebracht werden. Solange Kinder in dem trügerischen Bewußtsein aufwachsen, sich absolut alles heraus nehmen zu können und erleben, daß man nur unter Ellenbogeneinsatz das Geld zur Befriedigung von Konsumansprüchen bekommt, solange brauchen wir uns nicht zu wundern, wenn die Kleinen zum Messer greifen, um eine teure Markenjacke zu erpressen. Solange Egoismus, Brutalität und Gleichgültigkeit vorgelebt werden, wird es weiterhin Kinder-Banden geben, die erpressen, mißhandeln und rauben. Viele von ihnen scheinen sich des Unrechts oder gesellschaftlicher Grenzen nicht bewußt.

Wie sonst könnten sie so sicher sein, daß sich kaum ein Passant einmischen wird, wenn sie auf offener Straße andere Kinder bedrohen oder Mißhandeln?

Frank Satow

Wenn ich den obigen Kommentar lese, kann ich nur zustimmend nicken. Eigentlich sollte ich laut Beifall klatschen.

Frank Satow spricht mir aus der Seele.

Aber jetzt nur uns Eltern die Schuld zuzuweisen, wäre zu einfach! Sicher sollen und müssen wir unseren Kindern vorleben, welche Rolle wir in unserer Gemeinschaft einnehmen (meistens "spielen" wir ....).

Aber wer von uns, kann sich schon Gemeinschaft leisten, wenn

Alle genannten Gründe, geben wir bewußt, oder unbewußt an unsere Kinder weiter, die wieder an ihre Kinder. Unsere Eltern an ihre Kinder. Die Großeltern an ihre Kinder, unsere Eltern.

Im Laufe der Generationen haben sich die Lebensumstände immer wieder drastisch verändert. Krieg, Überleben, Aufbau, Mangel an Arbeitskräften, Wirtschaftswunder, Wohlstandsgesellschaft, etc.

Heute ist die Wohlstandsgesellschaft auf wenige Menschen beschränkt, die Mehrzahl der Menschen lebt hart an, oder unter der Armutsgrenze, Arbeitsplätze sind Mangelware, gelernte Berufe sind nicht mehr spezialisiert genug. Viele Berufe werden so schlecht bezahlt (Verkaufspersonal, Arzthelferinnen, Friseusen usw.), das davon der Lebensunterhalt nur noch mit Schwierigkeiten bestritten werden kann.

Fünf Millionen Arbeitsplätze machen Angst ums tägliche Brot.

In diesem Umfeld leben wir, erziehen wir unsere Kinder. Auch wenn wir immer wieder versuchen unsere Kinder nicht mit unseren alltäglichen Problemen zu belasten, bleibt es bei dem Versuch.

Obwohl wir versuchen diese Themen von Heiko fernzuhalten, überrascht uns Heiko immer wieder mit Bemerkungen, wie "das geht nicht, das ist zu teuer!, oder "schade das (z.B. Eurodisney, andere Freizeitaktivitäten etc.) können wir nicht machen, dafür haben wir kein Geld!".

Kinder sind noch feinfühliger als wir Erwachsenen, noch - denn wir werden es ihnen abgewöhnen, wenn auch meist ungewollt!

Vor diesem Hintergrund brauchen wir uns nicht, über Zeitungsartikel wie dem oben angeführten, zu wundern!

© by skhl-Hildesheim 1998


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