| Sigrid's Lebensgeschichte 1.Teil |
| Sigrid's Mißbrauch 1.Teil |
| Sigrid's Mißbrauch 2.Teil |
| Meine Beziehungen -die armen Kerle!?- |
| Briefe an meine Mutter |
| mein Alkoholproblem |
| "Kleinigkeiten" bei der Vernehmung! |

Also mir fällt es nicht leicht darüber zu schreiben. Ich habe noch nie jemanden soviel von mir erzählt, wie ich es zur Zeit tue. Ich bin sehr unsicher, aber auch froh, daß ich Karl-Heinz habe, den ich sehr liebe, der manchmal auch viel ertragen muß.
Das erste Mal hatte ich Kontakt mit der "anderen Art" im Alter von sieben oder acht Jahren. Ich wußte nicht was das ist, was er mit mir machte. Erst als ich in die Pubertät kam, habe ich gehört und gemerkt, das mit mir (bei mir) nicht alles so gelaufen ist, wie es hätte sein sollen. Mädchen aus meiner Klasse erzählten, wenn man Sex vor der Regel hat, würde man sterben! "Aber ich war doch nicht tot!" Oder!?
Ich war dick geworden, ich hatte wenig FreundeInnen, viele spotteten über mich, ich hatte keine modischen Klamotten. Bei einer Klassenfahrt in der 5. Klasse habe ich mich mit Jungs geprügelt, alle hatten Angst vor mir. Ich habe keinen Jungen an mich herangelassen.
Erst als ich 15 war, da habe ich einen Jungen kennengelernt, der war süß. Aber er hatte ein Problem, eine Freundin. Ich habe mich mit ihm eingelassen und er hat mich ausgenutzt. Ich habe es lange ertragen. Wir hatten Sex miteinander. Wenn ich mich heute erinnere, war es nicht schön!
Ich bin viel nach Neustadt/Rbge. gefahren, da war eine Disco. Mittwochs und Samstags war ich jedesmal da. Es gab auch süße Typen, aber ich hatte keinen Erfolg. Ich bin immer an die "letzten Typen" geraten, die waren meist betrunken oder sie haben Hasch geraucht. Öfters habe ich mich auch auf die eingelassen. Ich habe sicher immer gedacht, lieber so einen, als gar keinen. Ich glaubte immer, es wird schon einer dabei sein, der es auch ehrlich mit mir meint, oder ich wurde als "Lückenbüßer" genommen. Ich wurde häufig enttäuscht, wenn ich mich in einen Typen verliebt hatte. Ich glaube Heute meine Signale sind nie angekommen, vielleicht wollte ich mich auch nicht entscheiden, da habe ich ja heute noch meine Probleme mit.
Ich war auch häufig auf Schützenfesten und habe immer viel getrunken. Irgendwann einmal in einem Dorf bei Neustadt lernte ich Andreas kennen. Der war ganz nett, wir waren dann auch vier Monate zusammen, es war eine schöne Zeit. Aber ich habe ihn belogen, ich habe immer wieder erzählt, das ich einen Unfall hatte und deshalb so dick sei. Das ich eine ganz tolle Familie habe und wir uns super verstehen. Das ging nicht lange gut, ich konnte mein Geheimnis für mich behalten, wenn ich mich nicht getrennt hatte währe ich aufgeflogen. Wir haben zwar gekuschelt, aber ich habe mich vor ihm geekelt, ich war gerne mit ihm zusammen. Er hatte ein Auto, wir sind oft weggefahren, aber ich konnte mich nicht von ihm anfassen lassen. Ich mochte ihn, heute frage ich mich, warum mochte ich ihn, vielleicht weil er weit weg von meinen Eltern gewohnt hat und ich dadurch den Schutz hatte, den ich zuhause nicht bekam. Wir sind oft zu seinen Eltern gegangen, die hatten ein Hotel. Dort haben wir dann geduscht, er wollte oft mit mir zusammen duschen, aber das konnte ich nicht zulassen. Ich habe ihn dann sehr verletzt und es war Schluß. Ich habe nie wieder etwas von ihm gehört.
"Ich mußte das tun, sonst wäre ich aufgeflogen!"
Dann hatte ich etwa ein Jahr keinen Freund, bis ich Frank kennenlernte. Ich lernte ihn in einer Kneipe kennen, wir hatten viel getrunken, dann ist meine Hemmschwelle nicht so groß, ich war blauäugig, mir erzählten schon andere, das wo Frank aufkreuzen würde Sachen verschwinden aber ich glaubte das nicht, er beklaute und belog mich. Der wohnte in Springe. Ich habe mich auch vor ihm geekelt, ich habe ab und zu bei ihm geschlafen, aber anfassen war verboten. Ich konnte es nicht zulassen, auch da sehe ich heute, das ich mir meistens Freunde gesucht habe, die in einer gewissen Entfernung zu meinen Eltern wohnten. Heute meine ich, das ich den Sicherheitsabstand brauchte. Die Beziehung ging wohl drei bis vier Monate, dann hatte ich die Schnauze voll.
Bis dahin konnte ich nicht verstehen. daß andere Mädchen so vernarrt in die Kerle waren und immer so für sie schwärmten.
Dann war ich in einer Klicke, in der es einige Jungens gab, die mich betrunken machten, getrunken habe ich auch damals schon und zu einem Bier habe ich auch nicht nein gesagt. Ich weiß nicht, ob sie mich dann als leichte Beute gesehen haben. Ich weiß nur, das ich, nachdem ich mit ihnen schlief, den Kontakt abgebrochen habe. Klar, ich habe auch viel mit mir machen lassen und habe nie meine Grenzen gezeigt, weil ich dachte, wenn ich nein sage, will keiner mehr was mit mir zutut haben. Ich durfte ja auch mehr wie die andern Mädels aus der Klicke, die anderen mußten zu einer bestimmten Zeit zuhause sein, bei mir war das egal, auch wenn ich erst morgens nach Hause kam, hat keiner was gesagt, oder es gab Stubenarrest.
Dann lernte ich Axel kennen, in den war ich verliebt. Aber er nutzte mich nur aus. Er und sein Kumpel klauten einem anderen das Portemonnaie, wir wurden festgenommen. Als ich wieder zuhause war, habe ich E-605 genommen und wollte sterben. Den Suizid habe ich überlebt, aber die Folgen trage ich noch heute.
Dann lernte ich Ralf kennen, er war einen Kopf kleiner als ich. Er hat viel getrunken und war sehr oft bei seiner Mutter, die sich oft in unsere Beziehung einmischte. Wir zogen zusammen und verlobten uns. Es dauerte nicht lange, dann zogen wir nach Berlin. Dort lebten wir eine Weile bei meinem Bruder. Wir fanden eine Wohnung und zogen dort ein. Wir hatten nicht sehr häufig Sex miteinander, meistens hatte ich Ausreden, wie "ich bin müde", oder "Kopfschmerzen". Ich trennte mich wieder von ihm. Auf Baustellen, wo auch mein Bruder arbeitete, brüstete er sich damit, was für ein "toller Hecht" er im Bett sei. Er ist ein Spinner. Aber ich habe gemacht, was er sagte, bis ich meine Sachen packte und von heute auf Morgen auszog.
Dann hatte ich mal hier, mal da eine "Affäre", aber nichts Festes. Es waren drei oder vier andere Männer. Ich fühlte mich immer schmutzig, ausgenutzt und angeekelt. Ich lernte sie kennen, wenn ich was getrunken hatte, meist in einer Kneipe, ich hatte Sex mit ihnen, die Beziehungen dauerten meist nur ne Woche oder kam danach auch gleich der Ekel. Oft habe ich so heiß geduscht, das ich am ganzen Körper verbrannt war, ich schrubbte mich ab. Es war der totale Ekel. Ich zog in meine eigene Wohnung in die Damaschkestraße. Nebenan war eine Kneipe, die von zwei Frauen geführt wurde, die eine hatte einen Bruder, Peter, in den habe ich mich verliebt. Er hat auch mit mir rumgealbert und wir haben miteinander geflirtet, aber er hatte Angst vor einer Beziehung. Ich bin ihm lange hinterher gelaufen, aber er wollte keine Bindung. Ich war ziemlich hartnäckig und habe das Spielchen so lange getrieben, bis er nichts mehr von mir wissen wollte. Vor Peter habe ich mich nicht geekelt, wir haben miteinander geschlafen, ich kann mich daran erinnern das ich sehr starke Schmerzen hatte, aber ich habe mich nicht abgebrüht, wenn ich mich an die Berührungen erinnere war es sehr schön.
Dann lernte ich Thomas kennen, der war ein ganz lieber. Er war zärtlich, aber er war schon ganz schön schwul. Wir hatten vor zusammenzuziehen und merkten erst sehr spät, daß das mit uns nicht funktionieren würde.
Ich lernte dann auch Karl-Heinz kennen, den ich zu diesem Zeitpunkt gehaßt habe. Er hat mich einfach nicht in Ruhe gelassen, er war ganz schön hartnäckig. Wir sind dann doch eine engere Beziehung eingegangen. Zu Anfang war er sehr interessant, er war älter, er machte mich neugierig.
Dann zogen wir aus Berlin weg, zurück zu meinen Eltern. Von da an ging es mir immer schlechter.
Vielleicht weil langsam wieder meine Erinnerung an den Mißbrauch hochkam, zumindestens wohnten wir nicht lange dort. Wir zogen in ein Nachbardorf. Es war eine schöne Zeit, wir waren viel unterwegs. Dann wurde ich krank und verlor meinen Job. Wir hatten zwar keine feste Beziehung, aber wir blieben zusammen. Wir schliefen auch gar nicht so oft miteinander und ich merkte schon, daß er eine andere Art Mann ist. Er respektiert den Partner!
Wir haben häufig überlegt, ob wir uns trennen. Meist hatten wir Krach wenn kein Geld da war, oder wir getrunken hatten. Meist fing ich den Streit an.
Dann zogen wir nach Hildesheim.
Ich habe mich auch fünf oder sechsmal von Karl-Heinz getrennt. Ich konnte nicht glauben, daß er mich liebt, oder das er etwas für mich empfindet.
1993 trennte ich mich im Februar von ihm und lebte bis Ende März im Frauenhaus, weil ich nicht wußte wohin. Er machte mir einen Heiratsantrag, den ich ablehnte. Er machte mir einen zweiten, den ich dann annahm und wir heirateten am 8.12.1993. Aber es änderte sich nichts!
Karl-Heinz arbeitete sehr viel, ich war oft mit Heiko allein.
1995 hatte ich 10jähriges Jubiläum aus der Schule abgegangen zu sein. Wir beschlossen, ein Klassentreffen zu arrangieren. Ich rief meine Mitschüler an, einige hatten in der Zwischenzeit geheiratet und ich mußte forschen wie sie jetzt hießen, und ich merkte je mehr ich forschte, um so schlechter ging es mir, mir wurden Sachen bewußt, wie z.B. das ich Karl-Heinz jahrelang belogen habe. Ich erinnerte mich, mein Unterbewußtsein kam hoch, alles was ich eigentlich ganz tief in mir verdrängt hatte, und meine Gefühle spielten verrückt. Mir ging es schlecht, aber ich hatte Angst mich Karl-Heinz anzuvertrauen. Ich habe ihm während unserer Beziehung einige Märchen über mich erzählt, wie zum Beispiel das mit dem Unfall. Ich glaub, ich hatte dann einen Lichtblick und nahm meinen ganzen Mut zusammen und erzählte im was mit mir sei. Ich erzählte Karl-Heinz von dem Mißbrauch. Bis dahin konnte ich alles verheimlichen, dachte ich. Nachdem ich ihm einiges erzählte, hatte ich Angst, daß er mich verlassen würde. Karl-Heinz wollte damals schon, daß ich Anzeige erstatte, aber ich hatte Angst.
Wir sind dann umgezogen, in ein Haus, ich merkte das es mir immer schlechter ging und ich konnte gar nicht mehr mit Karl-Heinz sprechen. Er arbeitete viel und ich fühlte mich allein. Ich habe in dieser Zeit viel getrunken, habe oft die Kontrolle verloren und war oft zickig und unausstehlich. Dann habe ich mich wieder von Karl-Heinz getrennt.
Ich hatte in der Zeit einen Anderen. Ich frage mich oft, warum ich das getan habe. Der Typ hat sehr viel getrunken und hat die meiste Zeit von meinem Geld gelebt. Gut, ich habe ihn auch ausgenutzt. Er hat meine Wohnung renoviert, ich war 5 Monate mit ihm zusammen, wir haben einmal miteinander geschlafen. Eigentlich habe ich da schon bemerkt, das mir keiner das geben kann, was Karl-Heinz mir gegeben hat.
Trotzdem führte ich mit Karl-Heinz "Krieg", nur weil ich nicht traute, ihm zu sagen, daß ich Angst habe. Vielleicht hatte ich auch nur Angst, das er den Schritt macht, von mir zu gehen. Oder ich mußte ihn nur verletzen, weil er doch ein Mann ist!
Wir sind seit August 1996 wieder zusammen. Wir hatten viele Anfangsschwierigkeiten, Karl-Heinz hatte fünf Monate Therapie gemacht, dadurch merkte er, daß es mir immer schlechter ging. Ich wußte, ich brauche auch eine Therapie, aber ich hatte Angst, ich ging Karl-Heinz aus dem Weg und arbeitete nur noch!
Bis zum 1.12.1996! Da erzählte ich ihm in einer "Bierlaune" was ich vorhatte (erweiterter Suizid)! Ich bin dann am 2.12. ins Landeskrankenhaus gegangen und habe angefangen zu leben.
In dieser Zeit habe ich gemerkt, was mir Karl-Heinz bedeutet und was ich für ihn empfinde. Ich konnte ihm nie glauben, das er was für mich empfindet. Mir ist klargeworden, das ich zuhause und in unserer Partnerschaft nicht nur ein Gegenstand bin, sondern das er mich liebt. Ich weiß auch, das er manchmal viel ertragen muß und ich auch für manches Benehmen keine Erklärung habe, aber wir reden viel miteinander und mir macht es Spaß mit ihm zu schlafen!
Ich habe oft das Verlangen mit ihm zu kuscheln. Mir hat noch nie ein Mann soviel bedeutet, wie Karl-Heinz.
Ich hoffe, das wir noch viele schöne Jahre miteinander verbringen werden, auch wenn jetzt noch einmal eine ganz harte Zeit kommt. Ich liebe Karl-Heinz, ich fühlte mich noch nie so wohl! - Das ich das erst so spät erleben darf!
Sigrid