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Alkoholmißbrauch

von Karl-Heinz

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(Auszug aus einem Anamesebogen von Karl-Heinz)

Wann haben Sie zum ersten Mal Alkohol getrunken ?

Ich muß etwa 15/16 Jahre alt gewesen sein, als ich das erstemal Alkohol getrunken habe.
Mit achtzehn/neunzehn habe ich angefangen häufiger zu trinken, meistens am Wochenende.

In welchen Situationen haben Sie Alkohol getrunken ?

Meistens trinke ich, wenn mir wieder ´mal „Alles scheißegal“ ist. Auch wenn ich traurig, allein, frustriert bin. Wenn ich trinke, gestatte ich mir Gefühle (Trauer, Scham, Angst, Liebe etc.). Beim Sex stehe ich unter hohen Leistungsdruck, ich kann mich nicht dabei entspannen, und habe Angst das die Frauen enttäuscht von mir sind, weil ich schnell „komme“. Wenn ich getrunken habe, fühle ich mich lockerer und ich kann „länger“.

Seit wann und warum haben Sie im verstärkten Maße getrunken ?

So genau kann ich das nicht bestimmen. Viel getrunken habe ich in meiner Jugend als 16/17-jähriger. Mit einigen Kumpels abends in die Disko, Stiefeltrinken etc.. Ich glaubte, das ich mittrinken müsse, sonst wäre ich kein Kerl und die Anderen würden dann nichts mehr mit mir zu tun haben wollen. Allerdings habe ich das nicht ausprobiert und auch nicht mit meinen Kumpels diskutiert.

Viel getrunken habe ich in der Zeit, nach der Trennung von Conny. Damals war ich 21 Jahre alt. In den letzten zwei Jahren meiner ersten Ehe habe ich ebenfalls sehr viel getrunken. Seitdem ich mit Sigrid (meiner zweiten Ehefrau) zusammen bin habe ich sehr häufig getrunken. Verstärkt getrunken habe ich seitdem ich als Disponent und später als verantwortlicher Disponent gearbeitet habe, also etwa von 1993 bis 1996.

Wann sind erstmalig Schwierigkeiten im Zusammenhang mit Alkohol aufgetreten ?

Das erste Mal, an das ich mich erinnern kann, war in der Ausbildung. Während der Faschingszeit habe ich die ganze Nacht durchgemacht und bin angetrunken oder betrunken in die Firma gegangen. Der Abteilungsleiter hat mich nach Hause geschickt und mir dafür Gutstunden abgezogen. 1977 habe ich zum erstenmal meinen Führerschein, wegen Trunkenheit am Steuer abgeben müssen. 1978 habe ich mit einigen Kumpels betrunken einen Einbruch begangen, anschließend habe ich ohne Führerschein das Fluchtfahrzeug gefahren. Kurz nach der Tat sind wir von der Polizei gestellt worden. 1989 habe ich das zweite Mal meinen Führerschein wegen Trunkenheit am Steuer in  Verbindung mit Fahrerflucht abgeben müssen. Die Fahrerflucht wurde in der Verhandlung wegen geringem Sachschaden niedergeschlagen.

Einige Male bin ich auch mit Restalkohol und „Bierfahne“ zur Arbeit gekommen, was mir meistens eine Ermahnung, einmal auch eine Abmahnung, einbrachte.

Was meinen Sie zu Ihrem jetzigen oder bisherigen Umgang mit Alkohol ?

Ich glaube, ich habe mich mein ganzes Leben kaum um mich selbst gekümmert. Ich hielt es auch nicht für wichtig und habe es meistens noch nicht einmal bemerkt. Meine Wünsche und Bedürfnisse, auch Notwendigkeiten habe ich immer hinten angestellt. Selbst Arztbesuche habe ich nur nach mehrmaligen Aufforderungen, oder wenn nichts mehr ging, erledigt. Meine Gefühle habe ich entweder nicht beachtet, oder ich habe mich mit anderen Sachen abgelenkt.

Ich grübele sehr oft darüber nach, ob ich meine Probleme im Alkohol ertränken wollte, oder ob meine Probleme durch den Alkohol entstanden sind.

Meine Entlassung aus dem Landeskrankenhaus ist ebenfalls auf einen Rückfall zurückzuführen. In der Zeit nach der Entlassung habe ich wieder fast täglich getrunken. Mal mehr, mal weniger. Auch waren wieder sehr starke suizidale Gedanken da. Diesmal dachte ich bereits über "sichere" Möglichkeiten nach, mich umzubringen!

Seit einiger Zeit bin ich wieder bei meiner Frau und meinem Sohn. Ich habe mich dazu entschlossen eine Entwöhnungstherapie zu machen.

Frusttrinker

Saufen und Alkohol sind mir nicht fremd, obwohl meine Eltern selten getrunken haben, meist nur zu irgendwelchen Feiern, oder besonderen Anlässen. Mein Vater trinkt allerdings, solange ich mich erinnern kann, jeden Abend eine Flasche Bier. Auch in der Verwandschaft waren keine ausgesprochenen Trinker!

Trotzdem habe ich bereits sehr früh angefangen zu trinken. Das hat sich bis heute nicht geändert. Auch heute trinke ich noch etwa 15 bis 20 Flaschen Bier in der Woche, plus eventuelle Parties!

Ich habe mich nie als Alkoholiker gefühlt! Auch heute nicht! Nach meiner "Entwöhnungstherapie" in der Paracelsus-Klinik in Bad Essen, bin ich sofort wieder "rückfällig" geworden. Das heißt an meinen Trinkgewohnheiten hat sich nicht allzuviel geändert. Allerdings schaffe ich es fast immer NICHTS zu trinken, wenn es mir nicht gut geht, wenn ich schlecht drauf bin, wenn ich wieder meine Angstattacken habe, oder irgendwelche Probleme vor mir auftauchen. Das Frusttrinken habe ich fast völlig aufgegeben. Dieses Frusttrinken hat früher zu manchmal tagelangen Biersessions, -exessen geführt. In der Klinik wurde ich als Konflikttrinker bezeichnet. Das dürften wohl die meisten von uns sein, auch die, die es von sich selber nie glauben würden, es sich schon gar nicht eingestehen würden.

Vor diesem Hintergrund bin ich ALKOHOLIKER!

Ich kann bei mir sehr deutlich merken, ob ich Frusttrinken veranstaltet habe, oder "nur" aus Geselligkeit oder aus Appetit etwas getrunken habe. Nach den Frusttrinken habe ich am nächsten Tag immer ein schlechtes Gewissen ("ich habe wieder versagt, ich konnte mich nicht beherrschen!"). Das sind dann auch Tage, an denen ich mich am liebsten unter meiner Bettdecke verkriechen würde. Jedes Geräusch erschreckt mich, wenn´s klingelt mache ich nicht auf, gehe nicht an´s Telefon, mache keine Musik an usw. Aber wie gesagt, Frusttrinken kommt jetzt nur noch sehr selten bei mir vor.

Wenn es mir mal wieder schlecht geht, oder ich Probleme habe, dann habe ich mir verschiedene Möglichkeiten erarbeitet.

Probleme (davon habe ich noch genug!) versuche ich in den Griff zu bekommen, entweder agiere oder reagiere ich, leider noch nicht immer, aber immer öfter... ;-)). Überraschenderweise erweisen sich manche Probleme als Nichtigkeiten, wenn ich mich damit beschäftigte. Das ist mir früher nie aufgefallen.

Um meine Laune zu verbessern oder depressive Anfälle abzubauen, gönne ich mir dann etwas gutes für mich. Ein herrliches Vollbad mit einem guten Buch, ich kaufe mir eine CD (die ich schon lange haben wollte), ich telefoniere mit Bekannten (Freunde habe ich keine!), ich male (Aquarell oder auf Seide), ich koche und esse etwas Leckeres (Essen hält Leib und Seele zusammen!), oder ich gehe spazieren. Irgendetwas fällt mir meistens ein, daß meine Stimmung verbessert.

Und dann ist da ja auch noch Heiko und Sigrid.

wird fortgesetzt.....

© by skhl-Hildesheim 1998

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