CHE GUEVARASUPERSTAR  ?

 

Eine „Autobiographie“

 

Am 14. Juni 1928 wurde ich als Sohn eines guten und großbürgerlichen Hauses, in „Rosario“ (Argentinien) geboren. Man benannte mich Ernesto Guevara Serna... später erhielt ich den Spitznamen „Che“.

 

In den ersten Jahren der 50er, erlebte ich während eines längeren Aufenthaltes in einer bolivischen Lepra-Station, die guatemaltekische Misere zur Zeit des progressistischen Regimes von Jacobo Arbenz. Die dortigen Erlebnisse und Erfahrungen, ließen mich zu einem politischen Menschen, mit marxistisch-kommunistischer Überzeugung machen.... "Aufgrund meiner ideologischen Ausbildung gehöre ich zu denen, die meinen, dass sich die Lösung für die Probleme dieser Welt hinter dem sog Eisernen Vorhang befindet“ .

Brief an meinen Freund R R Latour 1957. zit.n: „Schwarzbuch des Kommunismus“.

                                                 2ter Band. Kapitel: „Che Guevara – die Kehrseite der Medaille“ S.114-117.

 

1954 hatte ich- (inzwischen Dr. der Medizin und Hilfsarzt)- in Mexiko eine Begegnung, die mein Schicksaal entscheiden sollte: Ich traf den Rechtsanwalt Fidel Castro mit einer Handvoll Guerilleros, die sich vereint hatten um auf der Insel Kuba den kapitalistischen Diktator Batista zu stürzen. Ohne länger zu zögern, schloss ich mich dieser abenteuerlustigen und revolutionären Truppe an. Mir ging es aber mehr als nur um das Abenteuer. Mir ging es in erster Linie um den Kampf für ein kommunistisches Kuba.

 

Am 2.12.1956 war es dann soweit: Nach einer abenteuerlichen Überfahrt auf einem primitiven Floß (dieses riskante Unternehmen kostete uns 12 Kameraden) landeten ich und Castro in Kuba. Nun konnte der Guerillakampf beginnen... Anfangs waren wir lediglich 18 Mann, aber ich verstand es mindestens 40 weitere Männer (hpts. ausgebeutete Bauern) für unsere Sache zu gewinnen und sie einer eisernen Disziplin zu unterwerfen.

 
Wer in Verdacht geriet, ein Abweichler, ein Denunziant zu sein, oder das Desertieren zu planen, wurde erschossen, meist auf Weisung von mir, oder aber von mir selbst.

Als ich im Januar 1957 die erste dieser Hinrichtungen an einem 14-jährigen Jungen eigenhändig vollzogen hatte, galt ich als DER starke Mann. „el comandante“ nannte man mich dann ehrfurchtsvoll. „el comandante“ war es auch, der im Herbst 1958 nach der Gefangennahme eines Verstärkungstrupps Batistas, das Amt des „Anklägers“ übernahm und über Gnadengesuche entschied... dazu genügte meist nur ein der Dreh meines Daumens nach unten.

 

Jedenfalls ist das Gefängnis „La Cabana“ in dem ich „amtierte“, Schauplatz zahlreicher ,viehischer Hinrichtungen... unter anderem auch von Waffengefährten, die sich weigerten für die Errichtung einer kommunistischen Herrschaft Kubas weiter zu kämpfen. Da fällt mir zum Beispiel ein gewisser Jesús Carreras ein... Ein Kampfgefährte der Anti-Batista Guerilla, der sich jedoch von Anfang an meiner Politik wiedersetzt hatte. Carreras, der in einem Gefecht verwundet worden war, wurde zur Hinrichtung geschliffen. Ich verweigerte hart und kaltherzig wie ich nun einmal bin, die Begnadigung. Außer ihm wurden (nach meiner Anordnung), 381 weitere Banditen erschossen.

„Schwarzbuch des Kommunismus“. 2ter Band. Kapitel: „Che Guevara – die Kehrseite der Medaille“ S.114-117.

 

Den Batista verjagen und dann selbst zu herrschen... das war und blieb Ziel.  Jedes Mittel dazu war mir nur recht.

Am 11.November 1959 war es geschafft ! Batista war endlich aus Kuba geflohen ! Ich und Castro wurden nun als die Helden des blutigen Bürgerkrieges gefeiert. Als zweiter Mann im Staate betätigte ich mich als Scharfrichter und vollzog mindestens 200 Todesurteile. Darunter fielen natürlich nicht nur die Konterrevolutionäre und Anhänger des Batista-Regimes...„Racheengel der Revolution“ nannte mich das Volk dafür.

 

Im Hauptberuf aber wurde ich (wie das mit Ärzten und Henkern bei Umstürzen so üblich ist) Präsident der kubanischen Nationalbank und später sogar auch Industrieminister, Bankpräsident und Racheengel- das waren die Positionen, von denen aus ich rücksichtslos die Planwirtschaft und die straffe Zentralisierung nach Sowjetmuster durchsetzte, mit dem Ziel, „den neuen Menschen“ für eine ideale Welt zu schaffen.  Aber aus diesem Himmelreich auf Erden wurde leider nichts, denn mit der Planwirtschaft ging es sehr schnell bergab und das Volk das ich vom Kapitalismus befreit hatte, begann in eine immer tiefer gehendere Armut zu sinken. Elendsviertel begannen plötzlich wie Schwammerl aus dem Boden zu sprießen. Entwicklungen, die ich heute immer noch nicht nachvollziehen kann... Die Zentralbank Leichter, hatte in den Ruin geführt und als Motor für die Wirtschaft war die Kalaschnikow sowieso viel zweckdienlicher als meine Person...

 
Wie auch immer. Ich jedenfalls lebte in Havanna (eines der nobleren und reicheren Bezirke Kubas)... Gleichzeitig verlangte ich von allen Kubanern Sonntagseinsätze der „freiwilligen“ Arbeit. Und wehe dem der diese schwänzte ! Für solche und ähnliche Fälle, wurde 1960 ein „Lager für Verbesserungsarbeit“, auf der Halbinsel Guanaha errichtet.

Nach 6 Jahren (1965), warf ich den ganzen Sch... hin. Mein Naturell war halt das eines wüsten Haudegens und fantastischen Revolutionärs... Außerdem war ich vom wachsenden Einfluss der von Castro ins Land geholten roten sowjetischen Brüder, Berater und Genossen zutiefst gelangweilt. So widmete ich mich wieder voll und ganz dem Kampf um die Herrschaft „von unten“, der Sozialistischen Weltrevolution.

Ich verabschiedete mich also von Castro mit dem Hinweis, es sei nun an der Zeit, die revolutionäre Bewegung in andere Länder zu exportieren um die Yankees in die Knie zu zwingen !  So zog ich „Che“ zu einem erneuten Guerillaabenteuer (es sollte das letzte sein). Und zwar in den Kongo und nach Bolivien, denn ich liebte den Geschmack der Angst und gewiss auch die Machtlust ! (wie ich es in meinem Tagebuch notierte).

Vom Kongo aus wollte ich Afrika vom Kapitalismus befreien, aber die Afrikaner wollten nicht so recht... Mit 105 Kubaner und einigen tausend Kongolesen griffen wir ein Kraftwerk an. Noch bevor der erste Schuss fiel, schlugen sich die Einheimischen in die Büsche, oder schossen wild um sich, so als ob sie sich selbst bekämpfen wollten. Ich hatte großes Glück, dass ich nicht von meinen eigenen afrikanischen Revolutionsgenossen irrtümlich erschossen wurde.

 
Nun sollte man meinen: Zwei Revolutionen- eine erfolgreich, die andere elendiglich gescheitert, bevor sie überhaupt erst angefangen hat, wären genug für einen schon 38- jährigen sozialistischen Helden. Aber ich dachte mir, wenn irgendwo auf der Welt Unrecht geschieht, dann muss man halt mit den Geknechteten leiden und so machte mich erneut auf; um mit und für meine Genossen anderer Länder, zu kämpfen.

 
So entschloss ich mich für Bolivien, wo seit 1965 kubanische Agenten zusammen mit den einheimischen kommunistischen Genossen und - Innen, eine Befreiungsbewegung ins Leben rufen wollten. In einem Camp besuchte mich übrigens der ähnlich gesinnte französische Philosoph Regis Debray.

 

Er beschrieb mich als „unsympathisch und bewunderungswürdig zugleich. Übermensch und Untermensch in einem, von meinen Männern getrennt, durch eine Mauer aus Schweigen und Angst.“

 
War es denn ein Wunder, dass ich seit den letzten Befreiungskrieg in Afrika mich vor meinen Mitkämpfern etwas absonderte um mein Leben so lange wie möglich zu verlängern ? Wer stirbt schon gerne von einer verirrten Kugel der eigenen Genossen?

Die indianischen Kleinbauern und Landarbeiter, die ich gegen die Großgrundbesitzer aufwiegeln wollte, schwiegen wie Steine. Ja sie hatten Angst vor uns ungebetenen Ausländern, die wild mit den Pistolen herumfuchtelten. Offenbar hatte sich mein afrikanisches Abenteuer bis nach Bolivien herumgesprochen.

Als wir 11 Regierungssoldaten in einen Hinterhalt gelockt und erschossen hatten, kam die Angst vor schrecklicher Vergeltung noch hinzu- und so bemühten sich die Indios, als treue Diener des Staates zu erweisen, indem sie zur nächsten Polizeistation liefen, um dort über die Verbrechen meiner Kämpfer und über die Bewegung der Kubaner zu berichten. So zog sich das Netz um mich und meine Kubaner immer enger und enger zusammen. Ich war mir weder im klaren darüber, ob ein Sieg gegen die Kapitalisten noch möglich war, noch wusste ich, ob die Einheimischen- anders als in Kuba- „befreit“ werden wollten oder nicht.
 
11 Monate lang irrten meine Guerilleros und ich im Dschungel ziemlich rat-, hilflos und sinnlos umher. Um ein neuerliches Desaster zu verhindern, habe ich des öfteren barbarische Strafen für zu laxe Disziplin verhängt. Aus dem Urwald richtete ich „meine Botschaft an die Völker der Welt“:

“Totaler Krieg gegen Amerika ! zwei, drei, viele Vietnams; Hass, Blut und Tod ins Haus des Feindes !“

4 meiner besten Männer suchten das Weite, das hier leicht zu finden war, 46 weitere wurden von unsichtbaren oder verirrten (?) Kugeln niedergestreckt.
Wir waren nur noch 6, als auch meine letzte Stunde am 8.Oktober 1967 zu schlagen begann.

 

Dem Feldwebel, der seinen Karabiner auf mich richtete (er hatte sich zuvor betrunken), rief ich zu: „Schieß nicht! Ich bin Che Guevara- ich bin lebend mehr wert als tot!“  Doch es half nichts... Bevor ich erschossen wurde, hatte ich übrigens ein Gewehr, eine Pistole und mehrere Messer, dazu zwei Tabakpfeifen, zwei teure Rolex- Uhren und immerhin noch 15.000 Dollar bei mir. Danach nicht mehr.

 
In einer Waschküche wurde ich sodann von meinem Schmutz befreit, bevor man meinen Leichnam der Presse vorführte. Die Militärs aber wollten auch noch wissenschaftliche Beweise, die meinen Tod bestätigen sollten. Bei der Totenmaske wurde allerdings gepfuscht... das Wachs war zu heiß und zerstörte mein Gesicht. Außerdem sägten mir die Ärzte eine Hand ab und schickten sie nach Argentinien, weil dort meine Fingerabdrücke gespeichert waren.

 

So konnte also bewiesen werden, daß ich „Che“ Guevara wirklich mausetot war.

 

Was aber bleibt ist der Mythos um meine Person:

 

Kein anderes Konterfei der Geschichte hat es geschafft (durch eine gigantische Merchandising-maschinerie unterstützt) auf so zahlreiche (meist rot gehaltene) T-Shirts, Kaffeetassen, Buttons, Fahnen, Unterhosen etc. gedruckt zu werden und um keinen anderen politischen Revolutionär, wurde und wird ein derartig verklärter Personenkult betrieben... Durch meinen zornigen und kaltblütigen Blick zwischen Bart und Barett fühlten und fühlen sich ewig-linke Schwärmer in aller Welt an einen „Messias“ erinnert... Die Linke von 1968 war es auch, die mich zu einem göttlichen Megastar gemacht hat. (natürlich unter bewusster oder unbewusster Ausklammerung bzw. Verharmlosung all der begangenen Greultaten und ermordeten Opfer, die ich am Gewissen habe...).  

 

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Schlussworte des Autors:

 

Wenngleich man das angestrebte Ziel der Errichtung einer totalitären Diktatur jeglicher Schattierung (in diesem Fall ist sie dunkelrot) nicht teilen sollte, sollte man doch bis zu einem gewissen Grad die grenzenlose Opferbereitschaft und den bis in den Tod gehenden Heroismus und Idealismus eines Che Guevaras, mit einer handvoll abenteuerlustigen Gesinnungsgenossen, primitivst ausgerüstet, einen Guerillakampf gegen die zahlen- und ausrüstungsmäßige Mehrheit, das „Böse“ zu wagen, anerkennen und ritterlichen Respekt erweisen....

 

Venzel Czernin

venzel_czernin@hotmail.com