Training

Damit aus mal wird !

Für die Kommunikation mit meinem Hund gilt grundsätzlich:

Ich kann die Sprache meines Hundes lernen, mein Hund aber nicht meine Sprache. Jede Äußerung meines Körpers hat für meinen Hund einen Sinn, eine Bedeutung. Nicht nur das, was ich sage, ist "Sprache" für den Hund, sondern mein gesamtes Verhalten - auch wenn mir das selbst nicht in jedem Augenblick bewußt ist.





Der verflixte fünfte Tag!

Das Lernen läuft wellenartig ab. Das bedeutet, es unterliegt der Natur; weil Hunde kein Neonlicht und kein Büro haben, sondern alles in der Natur lernen, gibt es für sie im Gegensatz zu uns noch Tag und Nacht, Frühjahr und Sommer... Das Lernen ist ein organischer Wachstumsprozeß, und das ist der Grund dafür, daß es nicht jeden Tag mit dem gleichen Erfolg ablaufen kann (so wie bei manch einem der Büroalltag!) Es gibt da den verflixten vierten oder fünften Tag. Das ist der Tag, an dem der Hund an seinem untersten, schwächsten Punkt angelangt ist (so wie wir, wenn wir für eine Arbeit lernen; irgendwann denkt man, man kann alles, und dann kommt dieser Tag, an dem man nichts mehr weiß...).





Zeit zum Vokabeln lernen:

Bis sich eine solche Reaktion gefestigt hat und automatisch ablaufen kann, muß man viel üben und seinem Tier Zeit lassen (es soll ja auch Spaß machen). Zu vergleichen wäre das mit Vokabeln lernen: das Auswendiglernen fällt uns auch schwerer als eine logische Frage zu beantworten, die man nicht auswendig lernen muß, sondern beantworten kann, weil man etwas verstanden hat. Sie läßt sich für uns logisch ableiten. Vokabeln dagegen sind stures Auswendiglernen (es gibt doch auch immer Vokabeln, die wollen einem nicht mehr einfallen, auch wenn man noch so viel geübt hat). So geht es dem Hund auch, denn stures Auswendiglernen ist schwerer als logisches Ableiten.

Die Eselsbrücke:

Was haben wir also in der Schule mit den schwierigen Vokabeln gemacht? Wir haben uns Eselsbrücken (Verstärkungen) gebaut. Geben wir auch dem Hund die Chance, schwierige Vokabeln zu lernen - nicht von heute auf morgen, sondern langsam und auch immer wieder. Wieso immer wieder? Er kann das doch jetzt! Falsch: Wenn man Vokabeln einer anderen Sprache lange nicht benutzt, werden sie leicht vergessen; aber die, die man täglich hört, bleiben im Kopf. (Hasta la Vista, Babe!)




Dominanz durch Vertrauen und nicht durch Gewalt. Wie geht das?

Wende ich Gewalt an, wird der Hund mir niemals richtig vertrauen; er wird sich durch seine Abhängigkeit gezwungen fühlen, sich mir zu unterwerfen, aber er wird es nicht gern tun und mich nicht lieben - warum sollte er auch? (Wer kann einen Partner lieben, der nur pöbelt und schubst, ohne zu sagen, was man in seinen Augen falsch gemacht hat? Und selbst wenn er sagen würde, was ihn stört, aber einen trotzdem durch die Gegend schubst, kann Vertrauen kaum entstehen, weil man ständig in der Angst leben muß, geschubst zu werden - und diese Angst macht Vertrauen unmöglich.)


Wie ist es bei den Wölfen?

Nur die Schwachen kämpfen. Die Rangkämpfe werden auf den unteren Plätzen der Rangordnung mit groben Mitteln (Beißen, Jagen...) ausgetragen. Der Rudelführer wird sich kaum mit einem niederen Hund beißen; da reicht schon ein Blick aus, oder die Art, wie er sich bewegt, geht oder steht. Er besitzt irgendetwas, was ihm Macht verleiht (außer Schnelligkeit und Kraft). (Das ist wie früher in der Schule, wo man ununterbrochen mit seinem Nachbarn sabbelte - und ein guter Lehrer nur einmal intensiv blickte - da wußte man, jetzt reicht's, jetzt ist man besser leise. Aber es gab auch die Lehrer, die einen sogar in's Klassenbuch eintrugen, weil man Quatsch gemacht hatte - und selbst das störte einen nicht, weil es einfach an Respekt fehlte - oder nich?)

Also war mein Gedanke...

...wenn ich hinter dieses Geheimnis komme, dann kann ich meinen Hund gewaltfrei dominieren.




Wie sieht nun diese Geheimnis aus?

Ranghohe Position durch Imitation des Rudelführers
(nein, ich hatte auch kein Wolfskostüm Smile))

1. Dominante Tiere haben starke Persönlichkeit, Ausstrahlung und Willen.

2. Es gibt bestimmte Verhaltensregeln und Signale, mit denen sie ihre Position behaupten, durch ihre Körpersprache und Haltung.

Für mich als Mensch heißt das: wenn ich mich mit ruhigen und sicheren Bewegungen mitteile, keine Hektik verbreite und versuche, mich zu konzentrieren, kommt das dem Verhalten eines Rudelführers näher, als wenn ich ständig umherzappel' und mit schlaksigen Bewegungen vorwärts tippel'.

Fazit:

Freundschaftlich dominanter Umgang ermöglicht dem Hund mich sowohl als Freund und Vertrauensperson als auch als eine Art "Rudelführer" zu sehen. Der Hund kann dabei dem Menschen als eine Art Spiegel zur Ausbildung seiner eigenen Persönlichkeit dienen.




Informieren heißt reduzieren!

Aus der Bewegung heraus - oder aus meinem Tonfall - entsteht eine Sprache. Oder besser: eine gute Basis für die Kommunikation von Mensch zu Hund. Ich muß meine Bewegungen also kontrollieren und präzise ausführen; das heißt,

• Wichtiges von Unwichtigem zu trennen,

• und immer die gleichen Befehle zu verwenden. Ein einmal gefundener, akzeptierter Befehl muß beibehalten werden. Wichtig ist dabei, daß der Befehl (entweder verbal oder in Form von Handzeichen) fließend und korrekt abläuft und der Hund nicht durch eine schlackernde Tasche oder ähnliches abgelenkt wird, oder annimmt, daß diese Art von Bewegung zu dem Befehl dazugehört. (Schön wäre es auch, die ach-so-schönen Glöckchen und Klingeln oder nachts die Lämpchen vom Halsband Deines Freundes zu entfernen.)

Befehle müssen leise, aber bestimmt gegeben werden; ich darf dabei nie vergessen, auf den Hund zu achten, der durch seine Körpersprache auch Botschaften zu mir sendet. So kann ich viel über sein Befinden und Verständnis von mir lernen. Um von meinem Hund verstanden zu werden, ist es wichtig, die Rolle des "Rudelführers" einzunehmen - erst dann erscheinen ihm meine Befehle auch glaubwürdig.




Was ist also zu tun, damit der Hund den Befehl nicht nur versteht, sondern ihn auch umsetzt?

Befehl geben - Verstärken - Loben

Ein Befehl wird immer nur einmal gegeben; andernfalls lernt der Hund erst, nachdem man zehnmal "sitz" gesagt hat, daß er sitzen soll, weil er weiß, daß er Zeit hat. Der Hund sollte aber beim ersten mal "sitz" hören und auch sitzen. Dabei muß man immer darauf achten, daß es spielerisch passiert und der Hund es mit Freude tut. Sagt man "sitz" und der Hund sitzt nicht, wird das Wort "sitz" nicht wiederholt, sondern es wird beispielsweise auf den Platz gezeigt, wo er sitzen soll. (Das ist dann die Verstärkung des Befehls.) Dann wird der Hund wissen, was gemeint ist; er sitzt dann und wir loben ihn dafür. Nach den nächsten fünf Malen wird er die Verstärkung nicht mehr brauchen, weil er weiß, was gemeint ist, er wird schon beim ersten Befehl ohne die Verstärkung sitzen. Sitzt der Hund gern und angstfrei, fällt ihm das Lernen leichter, es macht ihm (und mir) Spaß.





Mal ' was über den Menschen:

Wichtig ist die Kraft seines Willens und die Fähigkeit, an das zu glauben, was man selbst erreichen möchte. (Glaube an das, was Du tun willst, und es wird klappen! ...zumindest ist dann die Wahrscheinlichkeit, daß es klappen wird, viel größer, nichwa?) Nur mit dieser Einstellung wird das Arbeiten mit dem Hund Erfolg haben.



Nimm Dir Zeit!

So wie man es für sich selbst voraussagt, so kommt es auch. Also: think positive, nimm Dir Zeit und vermittle das auch Deinem Hund. Die eigene Einstellung überträgt sich auf ihn, ohne daß man etwas sagt; er merkt es so oder so, wenn man nicht an sich glaubt und nicht stark genug ist oder wenn man an sich selbst zweifelt (nich' dumm, so'n Hund, gell?). Das ist eine Art Ausstrahlung, die wir nicht sehen, riechen oder sonstwie bemerken können, die aber sehr wohl vom Hund registriert wird.





Gewalt ist eine Form von Schwäche:

Diese Schwäche ist auch nicht durch groben Umgang oder Schlagen zu überdecken. Schlägt man seinen Hund, bestraft man ihn immer nur, so bricht man seine Seele. Er wird Angst und Panik bekommen. Er wird kein Vertrauen entwickeln und ist für sich selbst ein Versager. Lobe ich ihn für das, was er gut gemacht hat, dann wird er an sich glauben, er ist stolz und seine Seele bleibt ihm erhalten. Wir müssen keine Hundeseelen brechen, damit ein Hund gehorcht. Ein Hund fühlt sich wohl, wenn er geliebt und gelobt wird für das, was von ihm gefordert wird. Er respektiert seinen Rudelführer (Du bist gemeint!) gern, weil der ihm Schutz bietet.





Wie Vertrauen funktioniert:

Denken - Fühlen - Entscheiden - Handeln!

Unsere Selbstzweifel und Unsicherheit erkennt der Hund sofort. Das macht dem Hund nichts aus, aber er muß demjenigen, dem er sich unterordnet, glauben und vertrauen können. Und das kann er nicht, wenn wir Zweifel haben und unsicher sind. Würdest Du einem Bergführer vertrauen, der nicht so genau wüßte, wo es lang geht? Sicher nicht. Du würdest Dich auf Dich selbst und Deine Intuition verlassen, aber nicht auf das hören, was der Bergführer sagt. Ein Mensch kann einen Hund nicht täuschen; sobald der Hund die Unsicherheit registriert, nutzt er sie aus, wandelt sie in "eigene Entscheidung" um und ordnet sich nicht unter (und schon wieder nicht so dumm, oder?). Warum sollte er auch? Was kann man von einem solchen "Leitwolf" schon erwarten? Schutz? Wohl kaum.

Fazit:

Niemals so tun, als ob man sicher ist, wenn man es nicht ist. Der Hund merkt es sowieso. In solch einer Situation dann besser intuitiv handeln - auch wenn das dann nicht ganz richtig sein mag, aber so ist man sich wenigstens sicher.

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Zum Herzen führen nicht große Strassen, nur stille Wege !
grüßle iris